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Sonntag, 21. September 2014

Synchrones Steursenken gegen die Krise?

Nachdem ich mich immer schwer mit der Vorstellung getan habe, wie ein fiskalpolitischer Impuls in Europa aussehen könnte, kommt jetzt ein ziemlich konkreter Vorschlag von den italienischen Ökonomen Giavazzi und Tabellini auf VoxEU.

Bei Fiskalpolitik dachte ich immer an größe Investitionsprogramme und Betonkeynesianismus (große staatliche Infrastrukturinvestitionen), der nicht immer angemessen und zielführend ist. In Zeiten wo Unternehmen wegen geringer Nachfrageerwartungen nicht investieren hat Investitionsförderung (Zuschüsse und Liberalisierung) hohe Kosten und geringe Effekte. Unternehmen nehmen die Förderung mit, investieren deshalb aber nicht mehr. Bei grossen Investitionsprojekten gibt es das Problem, dass viele Projekte kapitalintensiv sind und damit geringe unmittelbare Konjunktureffekte erzielen.

Giavazzi und Tabellini denken an Steuersenkungen. Steuersenkungen haben auch den Vorteil, dass sie im weniger für Fehlallokationen führen als Investitionsprogramme, wo Interessensgruppen stärker lobbyieren können (auch wenn Bauinvestitionen höhere Multiplikatoren zu haben scheinen).  Sie schlagen eine konzertierte Aktion von Steuersenkungen in den Euroländern vor. Sie starten von einer Diagnose die sich in ihrer kürze kaum unterbieten lässt Ende 2013 war:
  • Private consumption in the Eurozone was 2% below its 2007 level;
  • Private investment was 20% below the 2007 level;
  • Producers’ prices have been decreasing for over a year.
  • The only bright spot is the rise of exports by almost 10% since late 2013.
  • In the US, by contrast, GDP and private consumption are 6–7% above where they were six years ago, and investment too is above its pre-crisis level.
Diese Zahlen verdecken massive Heterogenitäten zwischen den Euroländern, wo es Österreich und Deutschland gut geht, während die Peripherie deutlich schlechter dasteht. Giavazzi und Tabellini argumentieren, dass die Europäischen Probleme primär auf eine Nachfrageschwächung in Folge der Krise 2008 zurückzuführen sind. Ihr Vorschlag ist einfach:
  • Alle Eurozoneländer sollen synchron eine Steuersenkung im Ausmaß von 5% des BIP durchführen. 
  • Den Ländern soll einige Jahre Zeit gegeben werden (drei bis vier) um das mit der Steuersenkung verbundene Defizit zu reduzieren (Wachstumseffekte, kalte Progression und Ausgabeneinsparungen). 
  • Um diese zusätzlichen Defizite während der Überganszeit zu finanzieren sollen die Mitgliedsstaaten langfristige Staatsanleihen ausgeben. 
  • Die EZB soll diese Staatsanleihen kaufen, ohne eine Sterilisation vorznehmen.
  • Die Zinsen sollen den EZB Eigentümern (Nationalbanken) als Seinorage zurückgegeben werden. 
Die Kombination von geldpolitischen und fiskalpolitischen Maßnahmen ist nach Giavazzi und Tabellini  einer reinen monetären Maßnahme überlegen (wie zum Beispiel Quantitative Lockerung). Sie argumentieren, dass die Quantiative Lockerung kaum zu zusätzlichen Krediten und privaten Ausgaben führen wird. Andererseits wären fiskalpolitische Impulse ohne geldpolitische Unterstützung unmöglich, weil die Staatsschulden vieler Länder bereits am oberen Limit sind.

Indirekte günstige Effekten wären auch ein schwächerer Wechselkursen, von denen die Europäische Exportindustrie profitieren würde. Die sich insgesamt daraus sich ergebende Inflation würde 
dazu beitragen den privaten und öffentlichen Schuldenüberhang abzufedern und der EZB dabei helfen das Inflationsziel von 2 % europaweit zu erreichen und  vielleicht kurzfristig drüberzuschiessen.

Wie Giavazzi und Tabellini  ausführen, ist das wichtigste Argument gegen eine solche Politik nicht ökonomisch sondern politisch. Die Diskussion über Multiplikatoren besagt, dass diese in Krisenzeiten besonders hoch sind (1). Deutschland (und wahrscheinlich/sicher auch Österreich) würden sich gegen eine solche Politik stellen weil sie gegen die in den Verträgen dargelegt grundlegende Idee der Trennung von Geld- und Fiskalpolitik verstößt (Schimpfwort: Transferunion) oder weil deutlich niedrigere Steuern auch Ausgabeneinsparungen im Sozialbereich zur Folge haben könnten. Ob Giavazzi und Tabellini da ein bisschen zu italienisch sein könnten, sei mal übersehen. Einsparungen bei Ausgaben werden nie gern gesehen, weil trotz aller Verwaltungsreformdiskussion, letztlich nur Leistungseinschränkungen kurz- wie langfristig zu nachhaltige Einsparungen führen werden.

Alternativen sehen sie aber im Moment keine. Ohne entschiedene Aktion würde die Eurozone würde weiterhin keinen nachhaltigen Konjunkturaufschwung sehen.

Diesen Vorschlag könnte im österreichischen Kontext auch deswegen sinnvoll diskutieren, weil ohnehin über eine Steuerreform nachgedacht wird, bei der ein Teil der Gegenfinanzierung aus Ausgabeneinsparungen kommen wird. Ob dann eine Umschichtung der Steuern (Vermögenssteuern) mittelfristig auch eine Rolle spielensoll, kann dann jedem Mitgliedsstaat offen gelassen werden. Idealerweise öffnet so eine Steuersenkung auch Möglichkeiten Strukturreformen anzugehen, die in Zeiten der Austärität nicht durchführbar sind, weil sie Charakteristiken von Konsoldierungspaketen aufweisen.









Donnerstag, 30. Mai 2013

Liquidationismus und nicht-keynesianische Effekte

Der Liquidationismus is die Idee, dass die Rezessioinen der Preis ist, den wir für die Booms zahlen. Das Leiden in der Rezession ist eine notwendige Folge der für die exzessive Expansion in den Boomjahren. Diese These ist oft mit der österreichischen Schule in Verbindung gebracht worden. Besser bekannt unter dem Namen Überinvestitionstheorie. Rezessionen sind die Rache für Fehlinvestitionen, die wegen falscher Geldpolitik getätigt wurden. Ein Problem mit dieser Argumentation ist, dass auch der Konsum in einer Krise fällt, obwohl durch die Reallokation der Ressoucen in "richtige" Verwendung (Konsum oder andere Investitionen) eigentlich zu einer Expansion in anderen Sektoren kommen. Das passiert nicht. Aber dennoch hat der Liquidationismus eine gewisse fatale psychologische Attaktivität: Wir müssen für unsere Sünden büßen. Klingt individuell ok, ist aus der Rechtsprechung auch nicht ganz wegzudenken, ist aber gesamtwirtschaftlich gefährlicher Unsinn, denn es geht in der gesamtwirtschaftlichen Betrachtungsweise nicht darum einen Schuldigen zu finden (Staat, Banken, Sozialisten, Kapitalisten) sondern um die Beurteilung von Maßnahmen, die den gesamtwirtschaftlichen Schaden (Arbeitslosigkeit, Einkommensverluste) minimieren.
Beim Liquidationismus alter Schule vermisse ich oft  diese Einsicht. Denn dass es uns jetzt schlecht geht ist darauf zurückzuführen, dass wir zuvor über unsere Verhältnisse gelebt haben, deshalb kann man nichts tun.

Aber es gibt eine andere Form des Liquidationismus, den vor allem südeuropäische Ökonomen vertreten. Die antikeynesianische Position und der Glaube an anti-keynesianische Effekte ist in Südeuropa deutlich ausgeprägter. Noah Smith schreibt:
Regarding South European economists, my evidence is anecdotal, but every single Italian, Spanish, and Greek economist I've talked to has seemed very down on the notion of fiscal stimulus, and highly disdainful of Paul Krugman. Alberto Alesina seems to be an exemplar of their thinking. When discussing stimulus spending, they tend to predict that this spending will be captured by special interests and wasted. Monetary easing receives scarcely more respect. Inevitably, any discussion of the European crisis leads quickly to a discussion of broken institutions in the Southern European countries - poor tax collection systems, over-regulation, sclerotic labor markets, political corruption, and even a poor cultural work ethic.
Kann man nachvollziehen. Allerdings muss auch die Frage gestellt werden, ob nichts-tun hilft. Jeffrey Frenkel glaubt überhaupt nicht daran und erinnert uns dass die Auseinandersetzung zwischen Reinhard und Rogoff und Krugman (1,2) nicht die richtige ist. Die wahren Liquidationisten seien Alberto Alesina und Koauthoren. Alberto Alesina glaubt immer noch, dass nicht-keynesianische Effekte dominieren würden.

Die Interessantere Frage für mich in dem Zusammenhang ist ob fiskalische Zurückhaltung Strukturreformen fördert oder nicht. Die Politikökonomen gehen oft davon aus, weniger Staatsausgaben = Strukturreform. Nun ja, genau das glaube ich weniger. Arbeitsmarktreformen oder kluge Deregulierungen sind nicht eine Frage von Ausgabenkürzungen. Die politische Realität in Italien, Spanien und Griechenland legt auch nicht unbedingt davon Zeugnis ab. Es gibt plausible Überlegungen, die nahelegen, dass Sparpolitik und Strukturreformen in Rezessionen politisch nicht gleichzeitig durchsetzbar sind. Überdies gibt auch etwas an Evidenz dafür, dass die Effektivität von der Qualität der Institutionen abhängt und dann beißt sich die Katze in den Schwanz.

Insgesamt ähnelt das ideologische Korsett Alesinas etwas jenem der Liquidationisten. Alesina ist auch deren Posterboy. Wenn eine solche Politik in Europa aber mit hohen gesellschaftlichen Kosten verbunden ist, könnte in Zukunft auch wieder einmal ein eigentlich liberaler Ökonom kommen und ein ähnlich vernichtendes Urteil  über Alesina und Konsorten fällen, wie Milton Friedman über die Überinvestitionstheorie der österreichischen Schule:
Ich denke, dass die Überinvestitionstheorie der Österreichischen Schule der Welt schweren Schaden zugefügt hat. Wenn man in die 1930er Jahre zurückgeht, die ein entscheidender Zeitpunkt waren, dann sieht man die Vertreter der Österreichischen Schule – Hayek und Lionel Robbins – in London sitzen und sagen, dass man die Dinge zu Bruch gehen lassen muss. Man muss es der Selbstheilung überlassen. Man kann da gar nichts machen. Alles was man tut wird es nur schlimmer machen. […] Ich denke, dass sie durch die Ermutigung zur Tatenlosigkeit sowohl in England als auch in den Vereinigten Staaten geschadet haben.
Genauso wie die Finanzmärkte, Geldpolitik oder Regulierungen sind Staatsausgaben nichts an sich Verwerfliches. Es kommt vielleicht eher drauf an wie effektiv und effizient sie gestaltet sind.

Montag, 29. Oktober 2012

... nochmals Multiplikatoren

Mathias Klein und Georg Quaas haben eine Post über ein- und ausgabenseitige Multiplikatoren auf Ökonomenstimme. Im Gegensatz zur vorherigen Post über Multiplikatoren über den Konjunkturzyklus, analysieren Klein und Quaas unterschiedliche Instrumentarien der Politik und testen die grundlegende Hypothese ob ausgabenseitige Multiplikatoren (Staatsausgaben wie Infrastruktur) höhere Multiplikatoreneffekte aufweisen als einnahmenseitige Multiplikatoren (Steuersenkungen).

Zum überprüfen der Hypothese verwenden sie zwei ökonometrisch kalibrierte Modelle (KOMO und EMGE - detals siehe post), weil:
Wir gehen davon aus, dass makroökonometrische Modelle mittlerer Größenordnung auf dem Gebiet der Konjunktur-, Wachstums- und Krisenforschung ein Instrumentarium darstellen, das durch die modernen Trends in der Ökonometrie nur bedingt ersetzt werden kann. Eine der wesentlichen Ursachen dafür besteht darin, dass nur mit Simulationen auf der Grundlage eines komplexen makroökonometrischen Modells die ceteris paribus-Bedingung sichergestellt werden kann, während bei den sonst üblichen Analysen oft zu lesen ist: “[…] it has not been possible to control for all other policy variables that might have influenced the evolution of GDP."
Ihre Ergebnisse:



Die Ergebnisse sind für die beiden Modelle unterschiedlich. Die Autoren sprechen auch davon, dass einige der Simulationen auch misspezifiziert sein können. Sie vermuten eher das KOMO - Modell. Allerdings zeigt auch im KOMO Modell (mit Ausnahme der monetären Transfers an private Haushalte), dass Staatsausgaben Steuersenkungen als fiskalpolitischer Impuls überlegen sind. Genau so wie es die keynesianischen Einführungslehrbücher es zeigen. Allerdings kann das auch Modellspezifikation sein ;). Daher hätte ich gern ein bisschen mehr Modelle aber auch Evidenz auf Basis ökonometrischer Analysen. Insbesonders bei makroökonomischen Zusammenhängen ist die die Vielfalt der Evidenz relevant. Zum einen kann einm einzelnes Ergebnis kann immer auch dem Zufall oder exzessiven Datenquälen geschuldet sein, zum anderen können erst so Überlegungsfehler festgestellt werden. Let the data speak ist naiv, allerdings auch zuviel Zuversicht in die theoretische Modelle mit zweifelhaften Annahmen  - jedes Modell muss ein zwei oder mehrere explizite oder implizite zweifelhafte Annahmen aufweisen.

Qual und Klein haben aber auf jeden Fall recht, wenn sie im Abschluss ihres Beitrags schreiben:
Selbst wenn man einräumt, dass auch Multiplikatoren keine Konstanten sind, so dürfte ihre Kenntnis doch zumindest für die aktuelle Diskussion eine wesentlich verlässlichere Richtschnur sein als das oft anzutreffende Schema: Konjunkturstimuli – Wunderwaffe oder Strohfeuer?

Freitag, 26. Oktober 2012

Die fiskalische Theorie des Preisniveaus (a bit wonkish)

Normalerweise wird die Stabilisierungspolitik von Makroökonomen als Politik gesehen, in der die Nationalbank die Inflationsrate stabilisiert während die Fiskalpolitik (gegenwärtige und zukünftige Steuern) das Staatsschuldenniveau stabilisiert. Die Staatsverschuldung hat keine Auswirkung auf die Geldpolitik.

Leeper (1991) hat dies als aktive Geld- und passive Fiskalpolitik bezeichnet. Aktiv heisst, dass die Geldpolitik keine keine Rücksicht auf die gegenwärtigen oder vergangenen Variablen (Staatsverschuldung) nehmen muss, die von der passiven wirtschaftspolitischen Einheit (Staat) kontrolliert werden. Eine passive Politik ist dadurch gekennzeichnet, dass die wirtschaftspolitische Einheit in ihrer Handlungsfähigkeit eingeschränkt ist und auf die Entscheidung der aktiven Einheit (Geldpolitik) Rücksicht nehmen muss.

Die fiskalische Theorie des Preisniveaus, von Woodford und anderen entwickelt, besagt, dass die Fiskalpolitik aktiv ist und die Geldpolitik passiv. Diese Theorie ist unter Ökonomen stark umstritten. In letzter Instanz sagt diese Theorie, dass die Staatsverschuldung die Inflation beeinflussen kann. Gerade in einer Situation wie der jetzigen, wo der Stabilisierungspolitik der Notenbank durch den "zero lower bound" Grenzen gesetzt sind.

Die grundlegende Idee ist die folgende: Im Gegensatz zur konventionellen Theorie, die besagt, langfristig beeinflusst nur die Geldmenge die Inflation, wird die Budgetbeschränkung nicht als Budgetbeschränkung, sondern als Gleichgewichtsbedingung aufgefasst. Dies kann zur folge haben, dass das Preisniveau auch durch die Staatsverschuldung determiniert wird, auch langfristig. Die Folge einer Verletzung der Budgetbeschränkung ist, dass die Fiskalpolitik aktiv ist und die Geldpolitik passiv. Um die Wirtschaft zu stabilisieren, muss die Zentralbank inflationäre "Überraschungen" generieren um die reale Staatsverschuldung zu reduzieren.

Fiskalische Disziplin, d.h. ein ausgeglichenes Budget über den Konjunkturzyklus (Überschüsse in guten Zeiten, Defizite in schlechten Zeiten) sind notwendig um das Preisniveau stabil zu halten. Defizite brauchen Inflation in der Zukunft. Mit aktiver Fiskalpolitik und passiver Geldpolitik ist Inflation-targeting unmöglich und letztlich aus unglaubwürdig. Inflation-targeting wie es die EZB und die meisten Nationalbanken betrieben benötigt eine aktive Geldpolitik und eine passive Fiskalpolitik.

Die fiskalische Theorie des Preisniveaus ist umstritten. Manche bezeichnen sie als Denkfehler und als inkonsistent. Gesamtwirtschaftlichen Wohlfahrtseffekte sprechen in der Regel gegen eine Monetisierung der Staatsschulden.

Allerdings können Regeln sich ändern. Ein Papier von Danvig und Leeper geht in die Richtung, es wird argumentiert, dass sich die Charakterisierung von Geld- und Fiskalpolitik stochastisch ändern können. Und beide kurzfristig auch gleichzeitig passiv oder aktiv sein können. Dies sollte aber langfristig unmöglich sein.

Die Politik der EZB ist meiner Einschätzung nach aktiv. Ich habe aber das Gefühl, sie möchte um (keinen Preis) den aktiven Part den Staaten übertragen. In einer Währungsunion ist das auch viel problematischer als in einem Bundesstaat, wie der USA ...



Donnerstag, 25. Oktober 2012

Staatsausgabenmultiplikatoren ...

In der letzten Post fragte ich mich ob Staatsausgabenmultiplikatoren asymmetrisch sein können. Und der Economist hat den Artikel dazu. Nicht zur Asymmetrie von restriktiver und expansiver Politik, aber von der Asymmetrie von Multiplikatoren über den Konjunkturzyklus: No short cuts: Short-term austerity in the aftermath of a severe crisis may prove more painful than thought.

Free Exchange gibt noch ein bisschen Kontext dazu:
The broad move toward austerity is real, despite what you may have heard. Cyclically-adjusted deficits across advanced economies declined from 5.9% of GDP to 4.3% from 2010 to 2012, including a drop of 1.9 percentage points in America, 2.6 percentage points in the euro area, and 2.7 percentage points in Britain. Japan is the sole outlier among major advanced economies.
Zur Erinnerung Staatsaugabenmultiplikatoren beschreiben den Effekt von Änderungen in den Staatsausgaben und Steuern auf das BIP. Bei einem Multiplikator von 1,2 führt eine Erhöhung der Staatsausgaben um 1 Euro zu einem um 1,2 Euro höheren BIP. Bei einer Reduktion der Staatsausgaben um 1 Euro reduziert sich das BIP um 1,2 Euro. Bei einem Multiplikator von 0.5 würde die Reduktion der Staatsausgaben um 1 Euro das BIP nur um 50 Cent reduzieren. Daher ist die Höhe des Multiplikators wesentlich für die Wirkung von Budgetkonsolidierungen.

Es gibt Schätzungen von Multiplikatoren wie Sand am Meer. Alesina und Ardagna (2012) argumentieren, dass Budgetkonsolidierungen expansiv sein können. Allerdings zeigen die meisten Studien, dass der Multiplikator in der Regel um 1 liegt. Im Economist wird ein Teil der Evidenz so beschrieben:

Strukturreformen, Multiplikatoren und Krisenländer

Makroökonomen, insbesondere keynesianischer Prägung, vergessen manchmal auf die institutionelle Qualität von Ländern. Fiskalpolitik hat eine expansive Wirkung. Doch könnte es nicht sein, dass die institutionelle Qualität die Wirksamkeit on Fiskalpolitik beeinflusst. Die Entwicklungsökonomie sagt ja. In Entwicklungsländern ist die Fiskalpolitik zumeist prozyklisch.

Im internationalen Vergleich muss man institutionelle Variablen berücksichtigen. Korruption, die Effektivität von Regierungshandeln und rechtsstaatliche Prinzipien sind über die Länder hinweg deutlich unterschiedlich. Es kann gut sein, dass auch in EU Ländern die Multiplikatoren davon betroffen sind. Strukturreformen im staatlichen Bereich könnten das beeinflussen.Griechenland hat vor kurzem eine dramatische Verwaltungsreform der Finanzverwaltung angekündigt:

Mittwoch, 10. Oktober 2012

Einige Grafiken aus dem World Economic Outlook II

Interessant ist Diskussion um Multiplikatoren der Fiskalpolitik im World Economic Outlook des IMF (Box 1.1 in dem pdf file). Die Multiplikatoren der Fiskalpolitik sind umstritten aber sehr relevant. Nur bei kleinen fiskalpolitischen Multiplikatoren haben Sparprogramme eine geringe negative Auswirkung. Bisher ist der IMF von Multiplikatoren um die 0.5 ausgegangen. Antonio Fatas  meint, das wäre nach seiner Leseart der Literatur deutlich zu wenig gewesen:
Despite the debate, my reading of the literature up to that point was that there was a significant amount of consensus around multipliers being around or slightly above 1.
As soon as the 2008 crisis started the debate went from a simple academic discussion to an urgent policy issue. What will be the impact of fiscal stimulus? The Obama administration produced a report (co-authored by Christina Romer) that suggested multipliers around 1.5 to justify the need for fiscal policy stimulus. These multipliers were criticized by those who believed that there is no room for aggregate demand management even in the presence of a large crisis. Since then the debate has become much more ideological than academic. We have had a series of additional academic papers that, if any,  suggest that multipliers are even larger than the initial estimates because of the special circumstances we are in (monetary policy stuck at the zero-lower bound and a deep recession caused by develeraging forces that reduce private demand).
But these new (and old) academic results have simply be displaced by the ideological debate that followed the fiscal policy stimulus of the 2008-2009 period, which somehow led to the conclusion that those policies did not work and that what we now needed was more austerity. And when over the last two years we forecasted GDP growth rates in the face of coordinated austerity by many governments we somehow forgot to consider that multipliers can be large.
Ideologische Antikeynesianer unterschätzen hin und wieder gern keynesianische Effekte. Und wenn keynesianische Effekte da sein sollen, dann gerade in Zeiten höher Unsicherheit und tiefen Rezessionen. Der IMF schreibt:

This (...) sheds light on these issues using international evidence. The main finding, based on data for 28 economies, is that the multipliers used in generating growth forecasts have been systematically too low since the start of the Great Recession, by 0.4 to 1.2, depending on the forecast source and the specifics of the estimation approach. Informal evidence suggests
that the multipliers implicitly used to generate these forecasts are about 0.5. So actual multipliers may be higher, in the range of 0.9 to 1.7.

Damit ist der IMF auch selbstkritisch. Fiskalpolitische Multiplikatoren von 0.9 bis 1.7 sind substantiell. Könnte auch mit einer Asymmetrie und der Spezifizität der Situation zu tun haben. Vielleicht haben Sparmaßnahmen einen höheren Multiplikator als expansive Fiskalpolitik?

Aber zurück zum IMF. Hier eine Darstellung der Ergebnisse. Die Prognosefehler des BIP sind deutlich negativ mit dem Sparmaßnahmen korreliert. Diese Prognosefehler finden sich wieder in den Komponenten des BIP (Investitionen, BIP und Konsum) und in der Arbeitslosenrate. Am stärksten sind sie mit den Investitionen verbunden, das zeigt deutlich die Reszession verstärkende Wirkung von fiskalischer Konsolidierung.  

Donnerstag, 24. März 2011

Konsolidierung und Krise?

Kash zeigt die kurzfristige wirtschaftlichen Entwicklung im UK. Im UK wurde ein ambitioniertes Konsolidierungsprogramm initiiert. Wegen der dämpfenden Effekte auf die Staatseinnahmen mussten auch die langfristigen Budgetprojektionen revidiert werden.

Hier als Illustration die kurzfristige Entwicklung des Wachtums im Vergleich zu USA und Deutschland:



Die Frage bleibt ob dies allein mit dem Timing der Konsolidierung zu tun hat oder ob dies nur einer Antizipation der Effekte entspricht. Jedenfalls spricht diese Evidenz tendenziell gegen die Hypothese, dass eine restriktive Budgetpolitik den Weg aus der Krise leiten kann. In einem Jahr wissen wir mehr.

Dienstag, 12. Mai 2009

Konjunkturpakete, der Mittelstand und Andreas Schnauder

Andreas Schnauder schreibt wieder über die Fiskalpolitik vulgo Konjunkturpakete. Und ist inkonsistent. Am 20. März schrieb Schnauder, dass es für Löschaktionen zu spät sei. Heute beklagt er sich, dass das Konjunkturpaket ein Leichtgewicht sei, das nicht bei den mittelständischen Unternehmen ankomme.

Eines von beiden muss falsch sein. Entweder Fiskalpolitik hat wenig Wirkung oder Fiskalpolitik hat große Wirkung. Beides geht nicht.

Weiters ist der Mittelstand sicherlich nicht das systemisch relevanteste Element in der österreichischen Volkswirtschaft. Bestimmte exportorientierte Sektoren und die Nachfrage zu beeinflussen kann da effizienter sein. Denn im Mittelstand werden einige Unternehmen stark getroffen, andere merken kaum etwas. Letztere sollen nicht auch einen cent aus dem Börserl zukünftiger Steuerzahler bekommen. Eine Gieskanne für die KMUs wie sie Schnauder sich implizit vorstellt wäre budgetpolitischer Selbstmord und hätte einen marginalen Hebel für betroffene Unternehmen. Das kann Herr Schnauder doch nicht wollen, oder?

Und Schnauder vergisst, dass er mit Firmenumfragen über die Verwendung von Konjunkturpaketen gar nicht die Wirkung der Konjunkturpakete abschätzen könnte, selbst wenn er wollte. Dies müsste makroökonomische passieren, mit allgemeinen Gleichgewichtseffekten.

Österreich steht besser da als Deutschland. Wieso? Ich glaube nicht unbedingt wegen der Konjunkturpakete. Diese haben aber Österreich schon zählbares an Einbruch erspart. Denn Ziel von Fiskalpolitik in der Krise ist die Krise abzufedern. Die Feuerwehr löscht nicht um den brennenden Schreibtisch zu retten, sondern damit sich das Feuer sich nicht weiter ausbreitet. Die Wirkungen verschiedener Maßnahmen können den Unternehmen sehr wohl verborgen bleiben. Wenn sich der private Konsum auf Grund von Steuersenkungen stabilisiert, die automatischen Stabilisatoren anlaufen und einige Unternehmen, die in der Wertschöpfungskette vorher oder nachher positioniert sind nicht insolvent werden, weil sie auf Garantien zurückgreifen können, dann hat das Konjunkturpaket sein Ziel erreicht. Schnauder schreibt aber

Die Steuerreform ist zwar grundsätzlich zu begrüßen, stellt aber keine gezielte Maßnahme dar und vermehrt vor allem die Sparguthaben. Bleibt also nur ein verschwindender Teil an zusätzlichen öffentliche Investitionen und diversen Mittelstandshilfen, die wirtschaftsbelebend wirken - und die hängen großteils in der Umsetzung. So entpuppt sich das Konjunkturpaket in Sachen Effizienz als Leichtgewicht.

Wenn aber die Konjunkturpakete in dieser Dimension die Konjunktur so hebeln würden, wie das Schnauder wollte - dass Österreich ein 0 vor dem Komma stehen hätte - dann müsste man sich vernünftigerweise fragen ob nicht eine staatliche gelenkte Marktwirtschaft besser sei als eine privaten Regeln unterworfene Marktwirtschaft. Nun diese Frage stellt sich nicht. Aber das besagt jetzt kaum etwas über die Wirkung bzw. Nichtwirkung von Fiskalpolitik. Dazu bräuchte man Elastizitäten, Elastizitäten und Elastizitäten über die Wirkungen jetzt. Vergangene Werte sind nicht unbedingt representativ - die Rahmenbedingungen verändern sich und damit das Verhalten.

Sonntag, 22. März 2009

In den Untiefen des .... (Schnauder edition)

Am Samstag hatte Andreas Schnauder einen Kommentar im Standard mit dem Titel "Für Löschaktionen ist es zu spät". Wieder ein Kommentar dessen Sinn mir unzugänglich ist.
Andreas Schnauder möchte darin den Vorwürfen Bofingers und Krugmans entgegentreten, dass Europa zu wenig unternehme. Andreas Schnauder schreibt:

Auch wenn es plastisch klingen mag, dass die Vereinigten Staaten 5,5 Prozent ihrer Wirtschaftsleistung in die Belebung ihrer Wirtschaft pumpen, Europa hingegen nur 3,3 bis vier Prozent mobilisiert: Derartige Vergleiche hinken nicht nur, sie weisen auch in eine falsche Richtung. Denn der Wettlauf um den größeren Stimulus schürt die Angst vor dem Staatskollaps und somit die Vertrauenskrise - und bewirkt somit genau das Gegenteil des eigentlichen Ziels.
Selbst wenn ein geringer Multiplikatoreffekt (1,1 oder gar 1,0) angenommen wird, federt sinnvolle Fiskalpolitik - zugegebenermaßen etwas was ich von dieser österreichischen Regierung nicht erwarten würde - den Rückgang der Wirtschaftsleistung ab. Sogar relativ unsinnge. Erhöht somit auch temporär Staatseinnahmen. Auch ohne explizite Fiskalpolitik gehen die Staatsausgaben wegen der automatischen Stabilisatoren in die Höhe: Arbeitslosengeld, Sozialhilfe und weitere wohlfahrtsstaatliche Einrichtungen gemeinsam mit einem Rückgang an Steuereinnahmen sorgen dafür dass eine tiefe Rezession tiefe Spuren im Budget hinterlässt.
Wenn es nach mir ginge, könnten ja zusätzlich zu zeitlich befristeten Ausgaben unproduktive Staatsausgaben - da fällt mir die Presseförderung und einiges andere an Förderungen und Subventionen ein - in ein Stimuluspaket umzulenken. Im Aufschwung wird das Stimuluspaket gekappt um die Staatsverschuldung zu reduzieren und gleichzeitig hätte man eine Budgetkürzung. Warum nicht?
Derzeit fällt es den Kritikern leicht, neben den EU-Regierungen die Europäische Zentralbank zu tadeln, die sich beständig gegen das Einschalten der Notenpresse wehrt. Doch ist es wirk- lich der Weisheit letzter Schluss, wenn die US-Notenbank eine weitere Billion in Ramschpapiere und Staatsanleihen pumpt und damit eine Spirale an Währungs- und letztlich Geldentwertung auslöst? Auch wenn Maßnahmen zur Krisenbekämpfung rasch erfolgen müssen - mit Panikreaktionen ist niemandem gedient.
Also soweit ich das überblicke von M0 bis M2 schaut die Geldpolitik der EZB ja nicht wirklich anders als expansiv aus. In Europa zwar der Richtwertzins auf 1.5 % aber wie Buiter argumentiert hat die EZB soviel Liquidität in den Markt gebracht, dass der kurzfristige Interbankenzinssatz bei ca. 0,5 % liegt. Damit sind die effektiven Zinssätze viel weniger unterschiedlich als die offiziellen Referenzzinssätze andeuten. Und überdies ist die relevante Identität für die Geldpolitik:
Geldmenge x Umlaufgeschwindigkeit = Preisnveau x reales BIP
Das ist noch keine Quantitätstheorie. Solange die Umlaufgeschwindigkeit viel niedriger als normal ist, wovon man derzeit ausgehen kann , ist eine Geldmengenerhöhung nicht problematisch für das Preisniveau. Problematisch wird es wenn die Umlaufgeschwindigkeit steigt und die Nationalbanken das Geld nicht rechtzeitig rausbekommen, dann steigt die Inflation. Aber die wird auch ohne diese Geschichte steigen, weil im Aufschwung die Rohstoffpreise wieder anziehen werden. Aber es ist illusorisch zu glauben, dass dies eine Hyperinflation oder so etwas zur Folge haben wird, darauf werden die Nationalbanken vorbereitet sein. Und eine Inflationsrate von 6 % über ein, zwei Jahre ist keine Katastrophe, wenn man danach wieder auf ein Niveau von ca. 2 % zurückkehrt.
Aber jetzt zu den wirklichen Unverständlichkeiten:
Gemeinsam mit dem ambitionierten Vorhaben zur neuen Finanzmarktkontrolle kommen vom EU-Gipfel zwar keine spektakulären, aber - was viel wichtiger ist - solide Ansagen.
Das was man hört ist wie Kaffeeobers, wenn man ein viergängiges Menü brauchen würden.
Die größte Gefahr - so lehrt die Geschichte - droht nämlich von falschen Maßnahmen.
Nichts tun ist aber auch eine Maßnahme. Von Protektionismus und Wechselkursmanipulation spricht jetzt keiner, sondern von Geld- und Fiskalpolitik. Ich hätte bisher von keinem der Experten (z.B. Eichengreen) für die große Weltwirtschaftskrise gehört, dass fiskalpolitische Maßnahmen oder eine lockere Geldpolitik gefährlich seien. Sogar für Friedman waren im Falle der großen Wirtschaftskrise fiskalpolitische Maßnahmen sinnvoll. Dass der New Deal nicht zur Erholung in den USA beigetragen hat, hört man eigenlich nur von Historiker und Ökonomen, die keine Experten für die große Depression sind, oder von solchen die Modelle verwenden, bei denen sie wichtige Elemente des New Deals nicht quantifizieren können.

Aber wie immer bei Journalisten, das beste am Ende:
Die Krise hat den Regierungen die Augen geöffnet. Als Feuerwehr, nach der Experte Bofinger schreit, dienen die EU-Maßnahmen wegen ihres langfristigen Charakters tatsächlich nicht. Doch Löschaktionen kämen jetzt ohnehin zu spät, die tiefe Rezession ist unvermeidlich. Jetzt muss sich Europa mit aller Kraft um den Wiederaufbau kümmern.

Ich sehe keine offenen Augen, da sehe eher noch eine kleine Feuerwehr in Euroland. Nicht auf der EU-Ebene aber EU-weit koordiniert auf nationaler Ebene. Die EU hat nach den Verträgen keine fiskalpolitische Authorität sondern nur regulatorische Authorität.
Überdies haben Löschaktionen oft auch den Sinn, das Übergreifen von Feuer auf bisher unbeschadete Gebäude zu verhindern. Die Frage ist nicht mehr - da hat Schnauder recht - ob die Rezession kommt oder nicht. Die Frage wie tief sie wird ist immer noch aktuell. Der Rückgang der Industrieproduktion im Jänner beläuft sich in der Eurozone auf ca. 18 %. Selbst wenn sich das Schrumpfen einbremst. Wir sehen noch wenig Licht am Ende des Tunnels. Sich auf den Wiederaufbau konzentrieren sollte man erst dann, wenn das Feuer gelöscht ist. Bisher waren alle Prognosen eher zu optimistisch.
Mir schaudert vor der Vorstellung, dass die USA wieder einen Aufschwung hinbekommen, während die EU nur die importierte Inflation bekommt ohne Aufschwung. Allerdings ist dieses Szenario realistisch, denn der Europäische Osten, Spanien und Irland sind nur für Europa ein Problem, nicht für die USA oder China.

Mittwoch, 4. März 2009

Wo sehen Sie massive Inflationsgefahren Herr Straubhaar?

Die Berliner Zeitung schrieb am 21. Februar:

Noch steckt Deutschland mitten in der Krise. Niemand kann derzeit seriös vorhersagen, wie schlimm sie noch wird und wie lange sie noch dauert. Dennoch beschäftigen sich manche schon heute mit der Zeit danach. Und die wird uns, geht es nach dem Chef des Hamburger Wirtschaftsforschungsinstituts HWWI, Thomas Straubhaar, wieder ganz neue Probleme bringen. Straubhaar nämlich rechnet damit, dass auf Deutschland eine gewaltige Teuerungswelle zukommt: Für die Zeit nach 2010 sei eine Geldentwertung von bis zu zehn Prozent pro Jahr zu erwarten.

Der Experte der Commerzbank hieb in dieselbe Kerbe wie Standard und Presse schreiben. Relativ unkommentiert als Expertenbefürchtung bezeichnet. Aber wo? Zwei Stimmen machen noch nicht viele.
Jetzt wo die Rohstoffpreise schneller fallen als die Realeinkommen, besteht keine Inflationsgefahr. Eher eine Deflationsgefahr, die dazu führen könnte, dass noch mehr gespart würde weil das Geld ja immer mehr Wert würde. Mit katastrophalen Auswirkung auf das Konjunkturbild. Herr Straubhaar begründet seine Prognose mit einem Überschießen der Rohstoffpreise und einer allzu expansiven Fiskalpolitik die nicht zurückgefahren werden kann. Also auf der einen Seite importierte, und mehr oder weniger einmaliger Inflation auf der anderen Seite massive öffentliches Geldausgeben. Wenn keine Lohn-Preis Spirale in Gang kommt und die EZB früh genug reagiert, sollte das kein Problem sein, wenn die Wirtschaft wieder anspringt. Die EZB war bisher noch nie dafür bekannt eine sehr lockere Geldpolitik zu fahren.

Jetzt jedenfalls sollte die EZB andere Dinge als Grundlage für ihre Entscheidungen verwenden als Spekulationen darüber, dass ein Anspringen der Wirtschaft 2010 zu Inflation führen könnte. Zunächst einmal muss dafür gesorgt werden, dass die Weltwirtschaft 2010 wieder anspringt. So sicher ist das nicht, wenn man die immensen Vermögensverluste in den USA und Europa und den rasanten Anstieg der Arbeitslosigkeit betrachtet. Wo bleiben die guten Nachrichten, die einem Herrn Straubhaars Szenario herbeisehen lassen? Herr Straubhaar muss sehr viel Vertrauen in die Effektivität der Fiskalpolitik in derzeitigen Situation haben.

Sonntag, 1. März 2009

Die Achsen des Stimulus

via FT.com Alphaville: UBS hat eine Stimuluskarte. Auf der x-Achse sind die fiskalischen Maßnahmen als % des BIP dargestellt, auf der y-Achse ist die Realzinsentwicklung dargestellt.

Auf die Grafik klicken um Sie größer zu sehen.

Leider ist Österreich nicht in der Liste. Grosszügig sind bis jetzt China, Südafrika und Singapur. Am knausrigsten waren die Schweiz und Argentinien.

Mittwoch, 28. Januar 2009

Geography of economics: It is the water! or Are we in dark ages?

Will Wilkinson fragte: Was ist mit den Ökonomen los?

What arises in my mind is the strong suspicion that economic theory, as it is practiced and taught at the world’s leading institutions, is so far from consensus on certain fundamental questions that it is basically useless for adjudicating many profoundly important debates about economic policy. One implication of this is that it is wrong to extend to economists who advise policymakers, or become policymakes themselves, the respect we rightly extend to the practitioners of mature sciences. There is a reason extremely smart economists are out there playing reputation games instead of trying to settle the matter by doing better science. The reason is that, on the questions that are provoking intramural trashtalk, there is no science.

Das Problem ist wahrscheinlich, dass viele Ökonomen glauben, dass die neue klassische Makroökonomie versinnbildlicht durch ein "einfaches" Real Business Cycle Model mit klärenden Märkten wahr ist, weil einfache und formal vollständige Modelle "wissenschaftlich" sind. Meineserachtens ist Makroökonomie zumeist etwas voodoo und zauberspruchmäßig. Allerdings auch wichtig und zentral für die Wirtschaftspolitik. Allerdings ist die Wissenschaft weit von den Ingeneuren (die Modelle bauen und verwenden) entfert. Die Lucaskritik führte zu einem Primat der angewandten Theorie (siehe dazu bei Waldmann Cass vs. Prescott), die dadurch glänzt, dass Phänome mit Modifikation des RBC-Modells durch Kalibration erklärt werden können.
Dadurch öffnen sich Gräben zwischen Praktikern, angewandten Theoretikern und Theoretikern; Rechten und Linken Ökonomen. Am Rande angemerkt: Frank Hahn einer der Meister und Verteidiger der Allgemeinen Gleichgewichtstheorie sah immer ihre Grenzen und dachte nicht dass die Allgemeine Gleichgewichtstheorie zur Politikanalyse geeignet sei.

Robert Waldmann unterscheidet zwischen Frischwasserökonomen (Minnesota, Chicago) und Salzwasserökonomen (Havard, MIT, University of California ...) und wird eindeutig:
Arnold Kling has already attempted to explain things to Wilkinson. He obtained a “department of huh?” from Brad DeLong and, for what it’s worth, two extremely intemporate comments from me (one was blocked as suspected spam because I provided to many links to support my claims which suggests something about the intellectual seriousness of comment threads at at least one blog).
While I claim that Kling’s take on the stimulus debate is absolutely inconsistent with facts in the public record which I found with a few minutes of googling, I share his general view on the divisions in the profession. He notes that there is more than one fundamental gulf which means that there isn’t a consensus among economists which would enable the few non economists who respect us to take our advice. I will mention three more just because I want to consider more economists than those discussed by Wilkensen and Kling and not because I think Kling left out anything relevant to his post

Kling discusses the policy advice of macroeconomists (and Fama). Not all economists are macroeconomists who think that it is there job to offer policy advice. He notes two divisioins left and right and fresh water and salt water.

Left and right correspond fairly closely to libertarian vs egalitarian in the US political spectrum, that is, closely to Democratic vs Republican positions on economics (except that there are leading economists well to the left of the Democratic party and well to right of all but the left fringe of the Republican party). It is a fact that, except for general support for free international trade, the range of views of economists is similar to the range of views of congressmen but somewhat broader. This is a wide enough ideological range that the methods of verification used by economists are absolutely unable to force economists on left and right to admit that economists on right and left have a point.

In the field of macroeconomics there is a much deeper division between macroeconomics as practiced at universities closer to the great lakes than to an Ocean (Fresh water economics) and that practiced at universities closer to Oceans (Salt water economics). The geography has shifted some as Fresh water economics has been exported. I’d consider Professor Robert Barro at Harvard to be brackish (with, he reports, noticed salty contamination in the first 6 months after he moved from U. Rochester) and the economics department at the University of Pompeu Fabra (in Barcelona) seems to be distilled. It is a little difficult to explain the disagreement to non economists. Frankly, I think this is because non-economists have difficulty believing that any sane person would take ffresh water economics seriously.

Roughly Fresh water economists consider general equilibrium models with complete markets and symmetric information to be decent approximations to reality. Unless they are specifically studying bounded rationality they assume rational expectations, that everyone knows and has always known every conceivable conditional probability. I’ve only met one economists who claims to believe that people actually do have rational expectations (and I suspect he was joking). However, the fresh water view is that it usually must be assumed that people have rational expectations.

Over near the Great Lakes there is considerable investigation of models in which the market outcome is Pareto efficient, that is, it is asserted that recessions are optimal and that, if they could be prevented, it would be a mistake to prevent them.

Salt water macroeconomics is basically everything else with huge differences between people who attempt to conduct useful empirical research without using formal economic theory and people who note the fundamental theoretical importance of incomplete markets and of asymmetric information and of imperfect competition (as in everything you think you know about general equilibrium theory is known to be false if markets are incomplete or there is asymmetric information or there is imperfect competition – Market outcomes are generically constrained Pareto inefficient which means that everyone can be made better off by regulations imposed by regulators who don’t know anything not known to market participants who also just restrict economic activity and don’t introduce innovations like, say, unemployment insurance).

Leading fresh water macroeconomists include Robert Lucas, Ed Prescott Thomas Sargent, Lars Hansen, John Cochrane, Larry Jones, Robert Barro (mostly), and Kevin Murphy (usually). Leading salt water economists include Paul Samuelson, Edmund Malinvaud, Jacques Dreze, Joseph Stiglitz, Robert Solow, Paul Krugman, Andrei Shliefer, Olivier Blanchard, George Akerlof, Robert Hall, Ben Bernankle, N. Gregory Mankiw, Christina Romer, David Romer and, and Lawrence Summers. Brad DeLong is also a salt water economist and he is very very smart, but last I knew, he was a little too far out there to be really a member of the economists club. I can’t classify Paul Romer.

Notably all of the above have made important contributions to fields other than macroeconomics.

In the US there is a strong correlation between Fresh and Salt and Right and Left. The correlation is not perfect: I understand that Hansen and Sargent are politically left of center. Hall is far right politically, Mankiw is right of center. and I must admit that I have no clue about Bernanke (who I have never actually, you know, seen in the flesh).

An important discrimminant is opinions of John Maynard Keynes. Fresh water macroeconomists generally seem to think that he was not a competent economist. Salt water macroeconomists claim (often implausibly) to be in some way his intellectual followers. Barro for example clearly doesn’t remember what is written in “The General Theory of Employment Interest and Money.” Mankiw, in contrast, advised the students in his macro class (including me) to read it again and again searching for insights.

Interestingly, the fresh water macroeconomists are certain that salt water macro is discredited along the lines of the Ptolomaic model or the Phlogiston hypothesis. For a while they called their models “Modern Business Cycle Theory” stating that all incompatible models were obsolete. In the current debate many have considered it sufficient to say that arguments for the stimulus are nonsense (e.g. Cochrane). The surprisingly low quality of contributions to the debate from the vicinity of Great Lakes has a lot to do with the fact that Fresh Water macroeconomists haven’t thought about fiscal stimulus in decades and sincerely believe that it is an obviously invalid proposal so obvious arguments against it might be valid.

Even more interesting, Fresh water macroeconomists do not claim that their models have not been refuted by the data. Rather they note that all models are, by definition, false. They do test hypotheses from time to time, but don’t explain what the point is. As far as I can understand, they claim that a model *can* be both false and useful and, therefore, their models *are* useful.

I understand that in the 70s and, maybe, the early 80s there was a heated debate between Fresh Water and Salt water macroecnomists. (struck out in original post: Now, it seems to me that there is a truce of sorts where each school of thought ignores the other – that macroeconomists have specialized not in the questions that they ask but in the answers.

I think that this is a very bad situation. Anyone can see that, when top macroeconomists are asked for policy advice, some support each of the different proposals which are under consideration.

Frankly, this truce seems to me to be unilateral. Many salt water economists claim (in public) to respect the contribution of fresh water economists. I know of no fresh water economist who has expressed anything but contempt for the contributions of salt water economists to the stimulus debate and I haven’t heard one word of praise of a Salt Water economist from a Fresh water macroeconomist other than Arrow, Samuelson or Solow. I added the phrase “in public” because I clearly remember one of the salt water economists on my list refer to the fresh water economists as “the crazies”.)

update: The truce is over. There have been continual cease fire offensives, but the shrill blitzkreig is here.

As far as I can tell, fresh water economists have some respect for some thinkers other than fresh water economists. I think they have rather a favorable view of mathematicians and Physicists. I think it would be useful of mathematicians and physicists to look into fresh water macro and express an opinion. On the other hand, in principle they have great respect for general equilibrium theory, but they don’t listen to general equilibrium theorists at all. Top general equilibrium theorists are all at least left of center politically, the closest David Cass could come to naming an exception is Ed Prescott who, he said, uses general equilibrium theory and studies examples (snort).

Finally I have a view of how people can devote so much effort to working out the implications of assumptions which almost no ordinary people would find other than nonsensical if they understood them. Fresh water economics uses difficult mathematical tools. Students in fresh water graduate programs have to learn a huge amount of math very fast. It is not possible to do so if one doesn't set aside all doubt as to the validity of the approach. Once the huge investment has been made it is psychologically difficult to decide that it was wasted. Hence the school gets new disciples by forcing students to follow extremely difficult courses. Last I hear very few graduate students at U Minnesota came from the USA. Undergrads over there know what the program is like. If my information is not out of date, innocents from abroad are the new blood of fresh water economics.


Update: Krugman über das "Dark Age of Macroeconomics". DeLong macht sich Gedanken über "What are Chicago Economist thinking?" und Arnold Kling meint obwohl er politisch nicht folgen könnte wäre er doch nächer an Krugman und DeLong.

Update II: Auf Angry Bear gibt rdan Aufklärung über die Frischwasser - Salzwasser unterscheidung (auch für die zu spät geborenen):
A background for the non economists concerning freshwater and saltwater economists harks back to 1976 when Robert Hall christened the central schism in macroeconomic thought as being between the freshwater and saltwater schools. The division was picked by their location (on the Great Lakes and Rivers versus the coastal schools). The division exists today – and indeed is being played out in Krugman’s (saltwater) blog and by the Chicago economists who think he is a bozo idiot.




Mittwoch, 17. Dezember 2008

Es gibt schlimmeres als Inflation

In den USA hat die Federal Reserve ihr Zinsziel auf 0 -0.25 % gesenkt. Krugman sagt ZIRP (zero interest rate policy). Damit ist eine der wichtigsten Waffen der Geldpolitik weg. Negative Zinsen kann es nominell nicht geben. Greg Mankiw meint dazu, dass dies aber nicht das Ende der Geldpolitik sei. Er folgt ein bisschen Rogoff und meint der nächste Schritt könnte sein, dass die Federal Reserve ihr Inflationsziel von Preisstabilität auf 2 - 3 % erhöht. Ein radikaler Schritt. Laut Mankiw ist bei der derzeitigen Schwäche der Wirtschaft ein bisschen Radikalität angebracht.

The great moderation is over & so is the overconfidence in monetary policy

sagt Mark Thoma. Nachdem Robert Lucas 2003 behauptete dass das "central problem of
depression-prevention has been solved for all practical purposes" und sich die Vorstellung der großen Dämpfung des Konjunktur über die letzten 30 Jahre sich als falsch herausstellt, sollten die Ökonomen der Fiskalpolitik wieder eine wichtigere Rolle zuweisen:

If legislators understand and believe that early and decisive fiscal policy action is a crucial part of the policy mix needed to avoid large down turns, and especially if their constituents begin to understand this, perhaps timeliness of fiscal policy will be less will be less of an issue. Legislators have certainly shown that they can implement some types of policies - tax rebates - very quickly when they are sufficiently motivated to do so, and when they have the president's support.

Economists have a role to play here. We have put monetary policy on too high of a pedestal, and we have unfairly shunted fiscal policy into secondary status when it deserves a more prominent role. If I have a complaint about Depression Economics, it's that it does not do enough to offset this perception. Economists need to help restore confidence in fiscal policy, and they need to be more realistic about monetary policy. The updated version of Depression Economics takes a step in this direction, the last chapter in particular, but much, much more is needed. I trust, however, that Paul Krugman will continue to use his powerful public forum to help both policymakers and the public understand the essential role that fiscal policy plays in avoiding severe economic downturns.

Die Keynes'sche Einsicht, dass in der Depression andere Regeln gelten im moderneren Krugman cover:

Right now the world economy is in a nosedive, and understanding what I call "depression economics" -- the weird world you get into when even a zero interest rate isn't low enough, and a messed-up financial system is dragging down the real economy -- is essential if we're going to avoid the worst.

The key thing, when you're in a situation like this, is realizing that normal rules don't apply. Ordinarily we'd welcome an increase in private saving; right now we're living in a world subject to the "paradox of thrift," in which private virtue is public vice. Normally we want to be careful that public funds are spent wisely; right now the crucial thing is that they be spent fast. (John Maynard Keynes once suggested burying bottles of cash in coal mines and letting the private sector dig them up -- not as a real proposal, but as a way of emphasizing the priority of supporting demand.)
Daher ist wahrscheinlich viel Evidenz über die Wirksamkeit von wirtschaftspolitischen Maßnahmen eher uninformativ zum derzeitigen Zeitpunkt. Zeitreihenanalysen die nur "normale Jahre" analysieren können nur Aussagen über normale Jahre in denen die normale Regeln gelten machen. Daher auch die Konjunktur von ökonomischen Analysen der "New Deal" Area in den USA.

Für Europa kann daher die wirtschaftspolitische Trennung von zentralisierte Geldpolitik und dezentrale Fiskalpolitik problematisch sein. Die Staaten müssen sich koordinieren und Koordination kostet Zeit, da jeder Staat ein Interesse daran hat, dass die anderen viel ausgeben, er aber weniger.