Notizen und Gedanksplitter aus der Welt der Ökonomie und den Tiefen der Wirtschaftspolitik. Irrelevant, möchtegern-rigoros und kaffeehauskompatibel.
Mittwoch, 25. März 2009
Ein Marshall Plan für Unternehmer
Denn es ist in Aufschwüngen in großen Volkswirtschaften doch bisher eher so gewesen, dass die Endnachfrager jene waren, die die Unternehmermaschine angeworfen haben. Die Investitionen der Unternehmen folgen i.d.R. der Nachfrage der Konsumenten. Einwurf: Wir haben ein Identifikationsproblem. Es könnten ja die "neue" Produkte von (neuen) Unternehmen sein, die den Konsum anstacheln. Antwort: (i) Von Unternehmen durchgeführte Forschung und Entwicklung ist prozyklisch und (ii) Unternehmensgründungen und -schließungen haben eine eher schwache zyklizyklische Komponente. Beides spricht gegen die Schumpeterianische Variante.
Darüberhinaus gibt es wenig Anhaltspunkte dafür, dass niedrigere Steuern einen Strukturwandel beschleunigen sollten. Unternehmensgründungen und -schließungen sind zu stark innerhalb der Sektoren korreliert, als das starken Strukturwandeleffekte implizieren würde. Und wenn in der Krise Unternehmen gegründet werden, dann eher aus Gründen der Notwendigkeit als aus dem Verlangen eine unternehmerische Idee umzusetzten. Die meisten Unternehmen sind nicht unternehmerisch in einem Schumpeter'schen Sinn (Innovation), ja nichteinmal in einem Kirzner'schen Sinn (Arbitrage). Der Effekt auf den Strukturwandel sollte ein Geringer sein.
Ordnungspolitisch klingen die Vorschläge einigermaßen gut. Offene und funktionierende Märkte sind immer notwendig um strukturelle Ungleichgewichte schnell abbauen zu können. Und gegen die Streichung und Reform unnötig teurer Regulierungen habe ich wenig einzwenden. Allerdings eignet sich der Vorschlag nicht wirklich als Stimuluspaket.
Mittwoch, 18. März 2009
Es wird eine Erholung geben - Europa und wann?
there’s no government in a position to take responsibility for the European economy as a whole. What Europe has, instead, are national governments, each of which is reluctant to run up large debts to finance a stimulus that will convey many if not most of its benefits to voters in other countries.
Dem ist zuzustimmen. Darüberhinaus versuchen alle Länder Trittbrettfahrer zu spielen. Mit synchronisierten Konjunkturzyklen ist die Verlockung auf den Stimulus der anderen Länder zu warten zu groß. Also good News für Barro, Uhlig & Co. Kein massiver Stimulus in Europa in Sicht. Wypolsz befürchtet, dass Europa als Ganzes versuchen könnte Trittbrettfahrer zu spielen:You might expect monetary policy to be more forceful. After all, while there isn’t a European government, there is a European Central Bank. But the E.C.B. isn’t like the Fed, which can afford to be adventurous because it’s backed by a unitary national government — a government that has already moved to share the risks of the Fed’s boldness, and will surely cover the Fed’s losses if its efforts to unfreeze financial markets go bad. The E.C.B., which must answer to 16 often-quarreling governments, can’t count on the same level of support.
Europe, in other words, is turning out to be structurally weak in a time of crisis.
The Franco-German idea of focusing on the next crisis by rethinking financial regulation is disastrous. For one, there is no reason to choose between macroeconomic policies and financial regulation. Both are badly needed, although fiscal action is a matter of acute urgency while financial regulation is going to be a long drawn-out process that will take years to deliver its results. In addition, financial regulation is extraordinarily complicated, as it calls for sophisticated general equilibrium reasoning. Summit meetings are ideally unsuited to the task. It is one thing to ban tax havens, which played no role in the crisis; it is another thing to design incentives that will prevent financial firms from taking risks that yield vast private returns and even larger public losses. The US, with some support from the UK, Japan and, surprisingly, China, are highly unlikely to extract more than token fiscal policy commitments from the Europeans. Maybe this is not all that disastrous. These four countries account for about a hefty share of world GDP, so they can do a lot of good to themselves and to the rest of the world. Indeed, it is very likely that a significant portion of their fiscal expansion will feed imports from the other countries thus spreading relief internationally, especially if their currencies appreciate, but who knows? The problem is that free-riding by some countries may elicit protectionism from those that carry the burden. And that would be disastrous.In einer globalen Krise wäre das ein Disaster, wie die Entwicklungen der 30er Jahre gezeigt haben. In einer Globalen Krise kann aber auch nicht die Exportwirtschaft die weltwirtschaft aus der Rezession führen. Dies geht bei kleinen Krisen in kleinen Ländern. Aber wenn überall der Konsum am Boden sind und die Unternehmen nicht investieren, dann muss etwas anderes die Wirtschaft aus der Krise führen. Hier lohnt es sich weiter schauen:
Die erste Tabelle kommt aus dem OECD
Working Paper THE MACROECONOMIC CONSEQUENCES OF BANKING CRISES IN OECD COUNTRIES von David Haugh, Patrice Ollivaud und David Turner. Das Diagramm zeigt klar, dass Rezessionen die in Verbindung mit Bankenkrisen ca. zwei mal solange dauern wie Rezessionen ohne Finanzkrisen und zwei mal so hohe ökonomische Kosten haben. Darüberhinaus wird in dem Papier auch gezeigt, dass in der Folge der Aufschwund auch viel moderater verläuft. Keine wirklich guten Aussichten.
Was treibt die Wirtschaft wieder aus der Rezession? Für kleine Länder wie Österreich kann das oft die Exportwirtschaft sein. Für große Länder ist das auch möglich. Es wird of argumentiert, dass die lange Stagnation in Japan erst durch die Exportwirtschaft gebrochen wurde. Doch da gibt es noch ein Beispiel für eine fast geschlossene Wirtschaft - die USA. James Hamilton hat auf Econbrowser ein Posting dazu. Kurzfassung: Wie auf Calculated Risk bereits bemerkt schaut das typische amerikanische Rezessionsmuster so aus, daß die Ausrüstungsinvestitionen nach den privaten Wohnbauinvestitionen und dem privaten Konsum auch zu sinken beginnen und sich nicht erholen bis die Wohnbauinvestitionen und der private Konsum sich erholt haben. In der folgenden Grafik sind die Rezessionen grau unterlegt.
Es ist sichtbar, dass dieses Muster tatsächlich hält (mehr dazu auf Econbrowser). James Hamilton schaut sich dann verfügbare Daten für den privaten Konsum in der USA an und kommt zum Schluss, dass man vorsichtig optimistisch darüber sein kann, dass die Talsohle der Rezession erreicht worden ist. Etwas ältere Daten der OECD lassen da noch nichts erkennen. Überdies hat die Rezession in den USA etwas mehr als ein dreiviertel Jahr vor der Europäischen Rezession begonnen.Sonntag, 1. März 2009
Die Achsen des Stimulus
Auf die Grafik klicken um Sie größer zu sehen.Leider ist Österreich nicht in der Liste. Grosszügig sind bis jetzt China, Südafrika und Singapur. Am knausrigsten waren die Schweiz und Argentinien.