Nachdem es einiges an Kontroverse darum gibt was uns bevorstehen wird. Inflation, Hyperinflation oder Deflation. Der Economist meint Deflation sei das größere Übel.
Inflation und Deflation sind dann gefährlich, wenn sich eine Inflationsspirale (auf Preiserhöhungen folgen Lohnerhöhungen die die Inflation weiter anfachen) oder eine Deflationsspirale (auf Preissenkungen folgt Konsum- oder Investitionsrückgang weil weitere Preisreduktionen erwartet werden, die dann eintreten und ...) ergeben.
Was passiert jetzt bei einer Änderung der Inflation. Es kommt zur Umverteilung von Nominalvermögen. In einem interessanten Paper haben Doepke und Schneider (Inflation and the Redistribution of Nominal Wealth, with Martin Schneider. Journal of Political Economy, December 2006) die Umverteilungseffekte von Inflation untersucht. Am interessantesten sind ihre Ergebnisse bezüglich der Haushalte, für die sie unterstellen, dass die Nominalvermögen der Vermögensverteilung in den USA nach Alterkohorten entspicht. Das Ergebnis:
1. Die Alten verlieren substantiell auf Kosten der Jungen.
2. Die Jungen in mittleren Einkommensklassen mit erheblichen Schulden gewinnen am meisten.
3. Die Armen gewinnen und verlieren wenig - aber wieder gewinnen die Jungen und verlieren die Alten.
Dieses Ergebnis ist vor allem dadurch getrieben, dass junge Schulden aufnehmen um z.B. Häuser, Wohnungen etc. zu kaufen, während die Alten diese Vermögenswerte bereits abgezahlt haben und durch die Entwertung ihrer Geldvermögen getroffen werden. Ein weiterer Gewinner ist der Staat, dessen Verbindlichkeiten - soweit sie in inländischer Währung gehalten werden - durch die Inflation schmelzen.
Das Ergebnis für die Armen hängt in einem Wohlfahrtsstaat auch davon ab, wie die Transferzahlungen an die Inflation angepasst werden. Hier gibt es einen Konflikt: Weil bei einem hochverschuldeten Staat davon ausgegangen werden kann, dass dieser einen Anreiz hat die Inflation weniger als proportional auszugleichen sollten die Armen hier zu den Verlieren gehören, insbesondere die alten Armen. Andererseits sind die Alten demographisch eine politisch wichtige Gruppe, die keine Partei vernachlässigen kann. Daher wird hier Druck entstehen die Verlierer zu kompensieren.
Ein Großteil der letztjährigen Inflation und der jetztigen extrem niedrigen Inflation ist auf Schwankungen im Öl- und Energiepreis sowie anderer Rohstoffpreise zurückzuführen. Zweitrundeneffekte waren kaum in Sicht. Eine solche Inflation verursacht Verteilungsprobleme, wenn die Güter nicht substituiert werden können. Für Verteilungsprobleme ist die Fiskalpolitik zuständig. Eine derartige Inflation ist importiert: Durch die höhere Nachfrage (die bösen Chinesen) und die geringere Förderkapazitäten (sorry aber das Öl ist eine endliche Ressource). So eine Inflation kann dennoch destabilisierend wirken, denn im Gegensatz zu einer homogenen Inflation über viele Güterklassen ist nicht ganz eindeutig wie die Zentralbank reagieren soll.
Notizen und Gedanksplitter aus der Welt der Ökonomie und den Tiefen der Wirtschaftspolitik. Irrelevant, möchtegern-rigoros und kaffeehauskompatibel.
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Dienstag, 19. Mai 2009
Wie wirkt eine Inflations- oder Deflationssteuer?
Mittwoch, 4. März 2009
Wo sehen Sie massive Inflationsgefahren Herr Straubhaar?
Die Berliner Zeitung schrieb am 21. Februar:
Der Experte der Commerzbank hieb in dieselbe Kerbe wie Standard und Presse schreiben. Relativ unkommentiert als Expertenbefürchtung bezeichnet. Aber wo? Zwei Stimmen machen noch nicht viele.
Jetzt wo die Rohstoffpreise schneller fallen als die Realeinkommen, besteht keine Inflationsgefahr. Eher eine Deflationsgefahr, die dazu führen könnte, dass noch mehr gespart würde weil das Geld ja immer mehr Wert würde. Mit katastrophalen Auswirkung auf das Konjunkturbild. Herr Straubhaar begründet seine Prognose mit einem Überschießen der Rohstoffpreise und einer allzu expansiven Fiskalpolitik die nicht zurückgefahren werden kann. Also auf der einen Seite importierte, und mehr oder weniger einmaliger Inflation auf der anderen Seite massive öffentliches Geldausgeben. Wenn keine Lohn-Preis Spirale in Gang kommt und die EZB früh genug reagiert, sollte das kein Problem sein, wenn die Wirtschaft wieder anspringt. Die EZB war bisher noch nie dafür bekannt eine sehr lockere Geldpolitik zu fahren.
Jetzt jedenfalls sollte die EZB andere Dinge als Grundlage für ihre Entscheidungen verwenden als Spekulationen darüber, dass ein Anspringen der Wirtschaft 2010 zu Inflation führen könnte. Zunächst einmal muss dafür gesorgt werden, dass die Weltwirtschaft 2010 wieder anspringt. So sicher ist das nicht, wenn man die immensen Vermögensverluste in den USA und Europa und den rasanten Anstieg der Arbeitslosigkeit betrachtet. Wo bleiben die guten Nachrichten, die einem Herrn Straubhaars Szenario herbeisehen lassen? Herr Straubhaar muss sehr viel Vertrauen in die Effektivität der Fiskalpolitik in derzeitigen Situation haben.
Noch steckt Deutschland mitten in der Krise. Niemand kann derzeit seriös vorhersagen, wie schlimm sie noch wird und wie lange sie noch dauert. Dennoch beschäftigen sich manche schon heute mit der Zeit danach. Und die wird uns, geht es nach dem Chef des Hamburger Wirtschaftsforschungsinstituts HWWI, Thomas Straubhaar, wieder ganz neue Probleme bringen. Straubhaar nämlich rechnet damit, dass auf Deutschland eine gewaltige Teuerungswelle zukommt: Für die Zeit nach 2010 sei eine Geldentwertung von bis zu zehn Prozent pro Jahr zu erwarten.
Der Experte der Commerzbank hieb in dieselbe Kerbe wie Standard und Presse schreiben. Relativ unkommentiert als Expertenbefürchtung bezeichnet. Aber wo? Zwei Stimmen machen noch nicht viele.
Jetzt wo die Rohstoffpreise schneller fallen als die Realeinkommen, besteht keine Inflationsgefahr. Eher eine Deflationsgefahr, die dazu führen könnte, dass noch mehr gespart würde weil das Geld ja immer mehr Wert würde. Mit katastrophalen Auswirkung auf das Konjunkturbild. Herr Straubhaar begründet seine Prognose mit einem Überschießen der Rohstoffpreise und einer allzu expansiven Fiskalpolitik die nicht zurückgefahren werden kann. Also auf der einen Seite importierte, und mehr oder weniger einmaliger Inflation auf der anderen Seite massive öffentliches Geldausgeben. Wenn keine Lohn-Preis Spirale in Gang kommt und die EZB früh genug reagiert, sollte das kein Problem sein, wenn die Wirtschaft wieder anspringt. Die EZB war bisher noch nie dafür bekannt eine sehr lockere Geldpolitik zu fahren.
Jetzt jedenfalls sollte die EZB andere Dinge als Grundlage für ihre Entscheidungen verwenden als Spekulationen darüber, dass ein Anspringen der Wirtschaft 2010 zu Inflation führen könnte. Zunächst einmal muss dafür gesorgt werden, dass die Weltwirtschaft 2010 wieder anspringt. So sicher ist das nicht, wenn man die immensen Vermögensverluste in den USA und Europa und den rasanten Anstieg der Arbeitslosigkeit betrachtet. Wo bleiben die guten Nachrichten, die einem Herrn Straubhaars Szenario herbeisehen lassen? Herr Straubhaar muss sehr viel Vertrauen in die Effektivität der Fiskalpolitik in derzeitigen Situation haben.
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