Posts mit dem Label USA werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label USA werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 29. September 2014

BIP Trends in den USA und der Eurozone

Die Grafik ist von Brad Delong, der sie zu einem Kommentar von Josef Stiglitz zu den "europäischen Austeritätszombies" als Illustration einfügt. Sie zeigt eine dramatische Seitwärtsbewegung bei der BIP Entwicklung in der Eurozone seit der Krise (trotz des Eingreifens der EZB). Die Entwicklung in der Zone ist in den letzten Jahren deutlich schlechter als in den USA. Stiglitz schreib dazut:
Austerity has failed. But its defenders are willing to claim victory on the basis of the weakest possible evidence: the economy is no longer collapsing, so austerity must be working! But if that is the benchmark, we could say that jumping off a cliff is the best way to get down from a mountain; after all, the descent has been stopped.
But every downturn comes to an end. Success should not be measured by the fact that recovery eventually occurs, but by how quickly it takes hold and how extensive the damage caused by the slump.
Brad Delong, meint dazu, dass die Ökonomen ihre Überzeugung auf dem Marktplatz der Ideen marktnah bewerten lassen sollten. Sie sollten dann auch auch argumentieren warum ihre Prognosen nicht eingetreten sind  (z.b. Quantitative Easing führt zu Inflation, Austerität führt zu Wachstum etc.) bzw. was dazu geführt hat, dass sie ihre Einschätzungen revidiert hatten. Simon Wren-Lewis argumentiert, es gehe nicht nur darum was Ökonomen sagen, der öffentliche/journalistische Diskurs kann auch davon beeinflusst sein, weil zu wenige Ökonomen eine wichtige Rolle spielen.

Auf jeden Fall hat es einiges mit einer systematischen Überschätzung von Anreiz-Effekten und einer systematischen Unterschätzung von (negativen) Multiplikatoreffekten in einer Krise zu tun. Viele polit-ökonomische Statements beginnen damit, dass eine koordinierte fiskalpolitische Aktion auf europäischer Ebene nicht möglich/wünschenswert sei, weil die Interessen der Länder zu heterogen sind. Daraus wird gefolgt, dass Austerität die einzige Möglichkeit für Europa ist oder auch die Auflösung der Währungsunion. Während ich selbst das auch hin und wieder so gesehen haben (und manchmal immer noch so sehe), muss auch gesagt werden, dass diese Erkenntnis viel zu selten Ausgangspunkt für eine Suche nach vernünftigen und machbaren Alternativen war.



Freitag, 24. April 2009

Antitrust und der Unterschied zwischen Dot.com und Bankenbubble

Auf Salon.com gibt es ein lesenswertes Interview mit Simon Johnson MIT Professor und vormaliger IMF Chefökonom (auch Blogger auf Baseline Schenario) zur Finanzkrise. In diesem Interview fordert Simon Johnson, dass die Härte des amerikanischen Wettbewerbsrechts (Antitrust-law) gegen die Banken eingesetzt wird:
I've been saying that for awhile, but the new piece is to use antitrust law to do it. Some good lawyers have thought about this now for us, and they are saying, certainly, changing the legislation to make this easier is the way to go. The lawyers themselves are divided on whether you can do this under the existing legal framework. But the historians are adamant that what we are saying is very much in the spirit of the original antitrust movement. What Teddy Roosevelt and his cohorts were worried about was excessive power -- political power for these oligarchs.
Und zum Unterschied zwischen Dot.com Bubble und dem Finanzbubble meint er:
I am not trying to prevent crazy investments. I see a lot of crazy people around MIT who turn out to be brilliant and very successful and I never would have picked them. I like that. But those are equity investments, and the dot-com bubble to me is an excellent counterpoint to the housing meta-financial problem -- which was a debt-driven bubble. There's a big difference. If your equity value goes down a lot, it's painful and consumer spending may fall because of the wealth effect, but it is not a global cataclysm. The dot-com bust was a big bad bubble and it burst and it was messy and a lot of my students couldn't get jobs, and they went off and did something else.

I'm not saying venture capitalists putting their own money at risk is going to lead automatically to stability. But it does feed into innovation. I think if you look at canals, or railroads in the 19th century, or the advent of the automobile or any of the other sort of big breakthrough technologies, they often come with crazy investment booms, particularly in the United States. Anywhere that's a frontier of technology, often these breakthroughs come with a thousand firms being formed, massive amounts of money being pumped in, lots of of stupid things happening, people building two canals next to each other, or two railroads next to each other, and then there is a financial collapse, but you still get to keep the physical infrastructure. At the end of the dot-com thing we had a pretty good Internet.

What do we get out of the meta-financial crap? It's not so clear that we got useful things. Did our ATM fees come down? No.*




* ATM-fees sind die Bankomatgebühren

Samstag, 21. März 2009

Über die Ursachen der gegenwärtigen Krise

Die gegenwärtige Krise ist, das kann man heute schon behaupten, die teuerste Krise seit der Weltwirtschaftskrise der 30er Jahre und ist ebenfalls eine Weltwirtschaftskrise. Welche ist die zentrale Ursache dieser Krise?

Man kann behaupten, dass der Kapitalismus (oder Marktwirtschaft) inherent krisenanfällig sei. Eine derartige Postition wird auch im ökonomischen Mainstream mittlerweile vertreten. Eine derartige Position bedeutet nichts anderes als, dass Ordnungspolitik und Stabilisierungspolitik nicht allein Marktprozessen überantwortet werden kann. Weil von Journalisten und Volkswirten unterschiedliche Thesen über die wichtigsten Ursachen der Krise vertreten worden sind, ist es notwendig zu identifizieren, was die Krise verursacht hat. Die Kandidaten sind:

1. strukturelle Ungleichgewichte in den Leistungsbilanzen, insbesondere der Fluss von Ersparnissen aus Entwicklungsländern in die USA
2. Geldpolitik in den USA
3. Finanzinnovationen
4. Versäumnisse in der Regulierung von Banken und anderen Finanzmarktakteuren bzw. Finanzprodukten.

Ich setze allein auf Kandidaten 4. Die anderen drei taugen nicht als Hauptschuldige.

Eines nach dem anderen. Michael Dooley und Peter Garber haben eine Post auf Vox EU, die meine Vorurteile bestätigt und für einige Punkte zusätzliche Argumentation liefert. Zu den einzelnen Punkten:

1. strukturelle Ungleichgewichte in den Leistungsbilanzen eignen sich nicht als primäre "Schuldige", weil die Idee, dass "Betrug" und unvorsichtige Kreditvergaben wegen des Zuflusses an ausländischen Kapital in der Höhe von 5 % des US BIP aufgetreten sind, während das amerikanische Finanzsystem ein Vielfaches an inländischen Sparen effizient alloziert hat einfach zu blödsinnig ist um ernst genommen zu werden. Michael Dooley und Peter Garber betonen, dass der Kapitalfluss in die USA zu einer Reduktion der realen Zinsen geführt hat und damit direkt die Preise für Aktien und Grundbesitz in die Höhe getrieben hat. Allerdings an der Vorstellung, dass niedrige Zinsen notwendigerweise zu einem höheren Risiko bei der Kreditvergabe führen muss, nichts dran. Warum sollten ansonsten identische Volkswirtschaften bei Gleichgewichtszinssätzen von 4 % oder 2 % unterschiedlich anfällig für "Betrug" und exzessive Kreditvergabe sein. Es gibt kein ökonomisches Argument dafür. Systematische Fehler in der Aufsicht von Banken und in der Regulierung von Finanzinstitutionen scheinen eher eine Erklärung zu bieten.

2. Das zweite Argument - besonders gerne von Anhängern des esoterischen Goldstandards und anderer esoterischer Varianten der Nationalökonomie gebraucht - ist dass die Federal Reserve eine zu lockere Geldpolitik gefahren ist und Vermögenswerte nicht berücksichtigt hat. Allerdings vergisst eine solche Argumentation, dass die Federal Reserve in diesem Fall die Kontrolle über die konventionelle Inflationsrate verloren hätte. Wären die Kritiker wirklich mit einer deflationären Geldpolitik (auf konventionelle Inflation) zufrieden gewesen, die notwendig gewesen wäre um die Vermögenswerte zu stabilisieren? Oder mit einer Inflation jetzt, die notwendig erscheinen könnte um die Vermögenswerte anzupassen? Darüberhinaus haben alle bubble-ähnlichen Vorgänge in der amerikanischen Volkswirtschaft bereits viel früher begonnen, als die von allen zitierte lockere Geldpolitik der Federal Reserve erst begonnen hat. Damit taugt die Federal Reserve als Schuldige nicht - allerdings Herr Greenspan schon.

3. Finanzinnovation werden von vielen als Schuldige ausgemacht. Es gibt kaum Zweifel, dass neue Finanzprodukte das moderne Finanzsystem verändert haben. Allerdings haben diese Innovationen alle positive Elemente - selbst die verdammten Credit Default Swaps. Das Problem waren aber weniger die Finanzinnovationen als solche, als der Fehler der Regulatoren zu sehen, dass die Finanzinnovationen neue Formen der Spekulation und des moralischen Wagnisses erzeugten. Dies ist nicht allein auf die Unfähigkeit von Regulatoren zurückzuführen. Der Unwillen zu Regulierung von Seiten der Politik (enter Mr. Greenspan), eine Überschätzung der Selbstregulierungsfähigkeit des Marktes für Risiko und die Unfähigkeit der Politik sich gegen die starke Lobby von Banken und Finanzinstitutionen durchzusetzen sind vielleicht sogar noch wichtiger als Ursachen für diese Krise.

Bleibt Kandidat 4: Versäumnisse in der Ordnungspolitik der Finanzmärkte.

Eine Rückkehr zu einem System der 70er Jahre, wie es einigen vorschwebt ist unmöglich. Moderne Ökonomien können nicht mit Finanzsystemen aus vergangenen "Jahrhunderten" leben. Neue innovative Industrien brauchen Riskokapital, das von konventionellen Banken nicht gegeben werden kann. Banken geben primär Liquidität. Finanzinnovationen sind also notwendig, genauso wie eine effektive und strenge Regulierung.

Weil die wichtigsten Akteure an den Finanzmärkten angeschlagen sind ist es jetzt Zeit zu regulieren. Man braucht keine Angst zu haben zu exzessiv zu regulieren, denn es ist einfacher gegen eine starke Lobby Regulierungen aufzuheben als Regulierungen einzuführen.

Donnerstag, 19. März 2009

Der US Kongress wird Populistisch

Wie Presse und Standard berichten hat das US Repräsentantenhaus eine 90 % Steuer auf Prämien von Managern (mit Einkommen von über 250.000) von Unternehmen beschlossen, die mehr als 5 Mrd. $ an Steuergeldern erhalten haben. Damit holt sich der Gesetzgeber das Geld zurück, welches die Manager aus ihren Unternehmen "plündern" wollten.

Ist sinnvoller als eine Gehaltsbeschränkung. Denn die Prämien sind eine Art des tunneln werden, wie Simon Johnson beschreibt. "Tunneling" ist ein Ausdruck der aus dem Tschechischen/Slovakischen in die englischsprachige Fachsprache übernommen wurde und eine an und für sich legale Plünderung von Unternehmen durch Manager bezeichnet, die Anlagegüter zu einem lächerlichen Preis an Unternehmen verkaufen, die sie selbst besitzen. Diese Methoden sind in einigen Ländern legal, in anderen illegal aber immer in der Grauzone. Formal wird gegen kein Gesetz verstoßen. Allerdings werden die Eigentümer/Kreditoren/Arbeitnehmer des Unternehmens geschädigt.

Ökonomisch ist die Steuer sinnvoll - wenngleich man über die Höhe diskutieren könnte. Die Angestellten/Manager konnten bis jetzt damit rechnen, dass nicht nur ihre Unternehmen staatliche Unterstützung erhalten, sondern auch ihre Prämien und damit ihr Vermögen staatlich gestützt würde. Jetzt nicht mehr ganz so. Die Prämien, die die Finanzkrise mitverursacht haben, weil diese zu einem Anreiz führten riskante Geschäfte einzugehen, sind zwar im Trockenen. Aber zukünftige Angestellte wissen jetzt, dass ihre Fehler auch zu persönlichen Vermögenseinbusen führen, wenn ein staatlicher Bail-Out anstehen sollte.
Dies macht es unmöglich für Banker einfach von den Verlusten, die sie ihren Eigentümern und den Steuerzahlern umgehängt haben, wegzugehen. Darüberhinaus kann dieser Mechanismus auch dazu führen, dass Unternehmen, die die staatliche Unterstützung nicht brauchen, diese zurückzahlen um ihren Managern Prämien auszahlen zu können. Allerdings hätte eine Strafsteuer von 60 % - 65 % auf Managergehälter von über 200.000 $ wie auf Interfluidity vorgeschlagen diese Anreizwirkungen noch verstärken.

Wäre das in Österreich vorstellbar?

Ich befürchte nein. Statt Anreizwirkungen zu diskutieren, würde man nur über "Gleichheitsgrundsatz", "rückwirkende Gesetzesanwendung" und vielleicht sogar "Eingriff in die Privatautonomie" gesprochen. Von Effizienz oder Anreizwirkungen hört man eher selten.

Dienstag, 2. Dezember 2008

The NBER says: Recession since Dec. 2007

Das NBER Business Cycle Dating Committee hat festgestellt dass die USA seit Dezember 2007 in einer Rezession ist (link). Für einige eine überraschung. Für mich eher nicht. Vermute, dass das Verdikt vom CEPR Business Cycle Dating Committee auch nicht lange auf sich lassen warten wird. Schade dass es kein wirklich offizielles Dating für Österreich gibt.

Jeff Frankel darüber warum das Dating so lange gedauert hat:
Everyone in the real world has known that the economy has been in a recession for some time. In past cycles, media reports have sometimes taken the line “Ivy Tower Eggheads Finally Figure Out What Everybody Else Has Known All Along.” The implicit critique is that the committee takes too long after the event – typically almost a year — to make its declaration. One short answer is that our job is to be definitive, authoritative, but not fast. We don’t want to have to revise our dating of the peaks and troughs later, in part because it would sow confusion among those who rely on them (from econometric researchers to political speechwriters). GDP and other official statistics are often revised after the fact, for example. We leave it to others –pundits, forecasters, consulting companies, financial newsletters, and so on – to try to get there first. We deliberately get there last.
Der Unterschied zwischen schnell schiessen und sicher wissen ist damit auf den Punkt gebracht. Und aufs schnell schiessen zu verzichten, das kann sich eigentlich nur die Wissenschaft leisten.