Einem am Mittwoch veröffentlichen Bericht des Rechnungshofs zufolge könnte das Bankenpaket den Staat mit bis zu 4,8 Mrd. Euro belasten. Es ist das erste Mal, dass eine staatliche Stelle das mögliche Bedrohungspotenzial aus den Unterstützungsmaßnahmen für den Finanzsektor beziffert. Bis zur Jahresmitte 2011 lag das Minus laut Rechnungshof bei 680 Mio. Euro. Bei anhaltend schwierigen Rahmenbedingungen könnten weitere Belastungen hinzukommen, schreiben die Kontrolleure. Dies ist bereits eingetreten. Nach Angaben des Wirtschaftsforschungsinstitut vergrößerte sich das Minus bis Jahresmitte 2012 auf 2,355 Mrd. Euro.Bisher 2,3 Mrd. bis zu 4,8 Mrd. soll es kosten. Das heisst aber auch das Geld war notwendig, sonst wären die Banken bereits 2009 baden gegangen. Laut Rechnungshofbericht soll zukünftig aber eine "Verstaatlichung" angedacht werden:
Und das dürfte längst nicht alles sein. Anfang September ergab eine Sonderprüfung der Nationalbank, dass die Hypo Alpe Adria einen weiteren Zuschuss von 2,2 Mrd. Euro benötigt. Auch bei der maroden KA Finanz, der „Bad Bank“ der Kommunalkredit, gibt es Gerüchte über einen weiteren Kapitalbedarf von hunderten Millionen. Das wird vom Vorstand des Instituts jedoch bestritten. Rechnet man alle derzeit diskutierten Maßnahmen zusammen, ist die vom Rechnungshof angegebene Belastungsgrenze von 4,8 Mrd. Euro bald erreicht.
Notizen und Gedanksplitter aus der Welt der Ökonomie und den Tiefen der Wirtschaftspolitik. Irrelevant, möchtegern-rigoros und kaffeehauskompatibel.
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Donnerstag, 27. September 2012
Bankenretten ist kein gutes Geschäft
In der Presse schreibt Christian Höller über einen Rechnungshofbericht, der vermuten lässt, dass die Bankenrettung in Österreich für den Staat doch nicht ein gutes Geschäft war:
Mittwoch, 26. September 2012
Unterschiede in der Diskussion um die Eurokrise und Folgen ....
Im Blog der FTD Deutschland wurde ein sehr interessantes Papier zu den Unterschieden der Euro-Diskussion in Deutschland und der internationalen Diskussion angesprochen. Das Argument ist, dass die deutschen Ökonomen die wahren Ursachen der Krise verkennen würden:
Die deutsche Debatte um die Euro-Krise unterscheidet sich massiv von der internationalen Diskussion. Weil bei der Deutung namhafter deutscher Ökonomen und Notenbanker die wahren Ursachen der Krise verkannt würden, laufen viele Vorstöße Gefahr, kontraproduktiv zu wirken und die Bemühungen in den kriselnden Euro-Ländern zu konterkarieren, schreibt der Münchner Ökonom Gerhard Illing.Hier ist der Link zum Beitrag von Illing, Jauch und Zabel auf FTD: Die Diskussion um den Euro – Endogene Risiken und multiple Gleichgewichte.
Beispielhaft sei die Debatte um die Risiken von Target 2: Dabei seien die Ungleichgewichte im Euro-Zahlungssystem nur das Symptom des fortschreitenden Vertrauensverlusts in den Zusammenhalt der Euro-Zone. Damit ergebe sich „die paradoxe Situation, dass sowohl die Höhe des Risikos als auch dessen Eintrittswahrscheinlichkeit umso stärker steigt, je mehr in der öffentlichen Debatte in Deutschland Zweifel am Fortbestand des Euro gestreut werden“. Erschienen ist der Aufsatz im “Leviathan“ und wurde uns vom Nomos Verlag zur Verfügung gestellt.
Auf VOX-EU schreibt Rama in einem Beitrag, in dem er die europäische Krise mit der asiatischen Krise ende der neunziger Jahre in Zusammenhang bringt, dass ein Verkennen der Ursachen gefährlich sein kann:
An important lesson to Europe from of the Asian financial crisis of 1997/1998 is that in managing a crisis it is critically important to distinguish between the symptoms/triggers and the root causes, and to focus on the latter rather than the former. Otherwise the patient may be given the wrong medicine, which could worsen the disease.Und Rama ist ein bisschen skeptisch, ob nicht alles schon zu spät wäre.
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Freitag, 17. Februar 2012
Moral und Economics
Ökonomie ist auch eine moralische Wissenschaft. Atkinson meint dies impliziert Politikmaßnahmen auf unterschiedliche Wohlfahrtsmaße hin zu untersuchen. Das meine ich hier nicht.
Ich meine eher die moralische Forderung, dass Schuldner ihre Schulden selbst zahlen sollen kontrastiert mit dem Hinarbeiten zu einer für alle wohlfahrtsmaximierenden Situation.
Nehmen wir das Beispiel Griechenland. Wenn die EZB bereits zu Beginn der Krise glaubwürdig angekündigt hätte, dass sie alle griechischen Staatsanleihen gekauft hätte, dann hätte das perverse Anreize gesetzt. Aber Anreize sind hier primär eine moralische Frage. Es gibt Mechanismen die Griechen "zu bestrafen" ohne gleich die Zinsen in nicht nachhaltige Spähren zu treiben und als Kollateralschaden das Bankensystem und weitere Länder (Italien, Spanien etc.) zu destablisieren.
Ist dieses Denken in Anreizen moralisch oder ökonomisch? Ich denke moralisch. Ökonomisch wäre die Anwendung des Kompensationsprinzips.
Das Kompensationsprinzip (Hicks, Kaldor) berücksichtigt die Wohlfahrt:
Ich meine eher die moralische Forderung, dass Schuldner ihre Schulden selbst zahlen sollen kontrastiert mit dem Hinarbeiten zu einer für alle wohlfahrtsmaximierenden Situation.
Nehmen wir das Beispiel Griechenland. Wenn die EZB bereits zu Beginn der Krise glaubwürdig angekündigt hätte, dass sie alle griechischen Staatsanleihen gekauft hätte, dann hätte das perverse Anreize gesetzt. Aber Anreize sind hier primär eine moralische Frage. Es gibt Mechanismen die Griechen "zu bestrafen" ohne gleich die Zinsen in nicht nachhaltige Spähren zu treiben und als Kollateralschaden das Bankensystem und weitere Länder (Italien, Spanien etc.) zu destablisieren.
Ist dieses Denken in Anreizen moralisch oder ökonomisch? Ich denke moralisch. Ökonomisch wäre die Anwendung des Kompensationsprinzips.
Das Kompensationsprinzip (Hicks, Kaldor) berücksichtigt die Wohlfahrt:
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Dienstag, 6. September 2011
europäische Banken und die Eurozone
Nachdem IMF Chefin Christine Lagarde meinte, die europäischen Banken bräuchten dringend eine Rekapitalisierung zeigt sich, dass das europäische Bankensystem gar nicht so stabil sei. Die Antwort aus Deutschland und Österreich war: Wir nicht. Was geht aber im Europäischen Bankensystem vor?
In zwei Posts hat Kash Mansouri von The Streetlight zwei Post über einen slow motion run des europäischen Bankensystem über den auch der Economist geschrieben hat. In Europe's Banking System: A Slow-Motion Bank Run in Progress? zeigt Cash, dass die Reduktion der Depositen im Laufenden Jahr vor allem auf die Aktivitäten der Finanzinstitutionen selbst zurückzuführen ist, während die Einlagen aus dem Haushaltssektor, Staatssektor und Unternehmenssektor kaum große Veränderungen gezeigt haben. In der nachfolgenden Post Transatlantic Cash Flow zeigt Kash, dass die Gelder vor allem innerhalb des Bankensystems an europäische Tochterbanken in der USA umgeschichtet wurden:
Und Buttonwood ergänzt:
Die Dissonanzen werden größer. Während EZB-Präsident Trichet sich für eine Verstärkung des Schuldenabbaus ausspricht, fordert IMF-Chefin Lagarde eine Implementierung von konjunkturstabilisierenden Maßnahmen in Europa.
Die Renditen auf italienische Anleihen steigen wieder, der Spread zu den deutschen Anleihen vergrößert sich. Die EZB fordert stärkere Sparanstrenungen, während die Wachstumsprognosen im Zuge der Sparpakete für Italien unter 1% fallen. Free Exchange ist nicht optimistisch:
In zwei Posts hat Kash Mansouri von The Streetlight zwei Post über einen slow motion run des europäischen Bankensystem über den auch der Economist geschrieben hat. In Europe's Banking System: A Slow-Motion Bank Run in Progress? zeigt Cash, dass die Reduktion der Depositen im Laufenden Jahr vor allem auf die Aktivitäten der Finanzinstitutionen selbst zurückzuführen ist, während die Einlagen aus dem Haushaltssektor, Staatssektor und Unternehmenssektor kaum große Veränderungen gezeigt haben. In der nachfolgenden Post Transatlantic Cash Flow zeigt Kash, dass die Gelder vor allem innerhalb des Bankensystems an europäische Tochterbanken in der USA umgeschichtet wurden:
If you're wondering exactly who has been the first to lose confidence in the European banking system, look no further. It seems that at the forefront is the European banking system itself.
Und Buttonwood ergänzt:
While the authorities bicker, the borrowing costs of banks are rising as US money market funds retreat from the region. The costs of insuring against European corporate defaults has risen 7% today. That will make the banks even less keen to lend; the annual growth rate of private sector lending was just 2.4% on the latest data.
Die Dissonanzen werden größer. Während EZB-Präsident Trichet sich für eine Verstärkung des Schuldenabbaus ausspricht, fordert IMF-Chefin Lagarde eine Implementierung von konjunkturstabilisierenden Maßnahmen in Europa.
Die Renditen auf italienische Anleihen steigen wieder, der Spread zu den deutschen Anleihen vergrößert sich. Die EZB fordert stärkere Sparanstrenungen, während die Wachstumsprognosen im Zuge der Sparpakete für Italien unter 1% fallen. Free Exchange ist nicht optimistisch:
The darnedest thing is, it has been clear for over a year now that something in the euro zone has to give. If it isn't euro-zone chequebooks—in the form of greater fiscal transfers, loans, and bank recapitalisation—or euro-zone inflation then it will be the euro zone itself. Barry Eichengreen has argued, compellingly, that this would be an economically unacceptable outcome, giving rise to bank runs and economic collapse. Paul Krugman's response is: sure, but if you've already got the bank runs, economic collapse, and a likely sovereign default, you may as well get a devaluation to go along with it. Euro-zone governments have effectively spent the past year making a departure from the euro zone ever more attractive, and therefore vastly more likely.
Freitag, 11. März 2011
zurück zur natur oder experimentierkasten?
Der oder besser ein (weiterer) Pakt für den Euro (pdf) wurde in Brüssel unterzeichnet. Daniel Gros meint es wäre kein großer Schritt: "No default will ever be allowed, but all bailouts will be preceded by tough talk” und weiter:
Mit Normalszenario meine ich x<60 href="http://ideas.repec.org/a/fip/fedhep/y2006iqiip44-55nv.30no.2.html">Bliss und Kaufman haben einen guten und ausführlichen Vergleich zwischen der normalen Insolvenzregulierung und dem FDIC vorgehen in den USA).
Dies kann nur über ein spezielles Insolvenzverfahren, welches den Wertpapierbereich und den Geschäftsbankenbereich trennt gehen. Luigi Zingales forderte in einem Beitrag zur Zukunft der Finanzmarktregulierung vor einiger Zeit "a new Glass-Steagall Act separating mutual fund management from investment and commercial banking". Neues dazu habe ich länger nicht gelesen. Und wer sollte mögliche Insolvenzen von global aktiven Banken abwicklen? Die schwarzen Helikopter der UN?
Eine derartige Situation könnte auch zu einer Nationalisierung (zum Nulltarif) mehrerer großen Banken führen. Dies würde die Möglichkeit erschaffen ein neues Blümchen-Banking Finanzsystem zu designen. "Zurück zur Natur" sozusagen. Mit höheren Mindestreservensätzen für größere Banken, Trennung von Banken und Investmentgesellschaften und vielem weiteren, was zu Beginn der Krise in den Raum gestellt wurde. Dort aber nicht abgeholt wurde. Oder noch radikaler ein Bankensystem mit 100% Mindestreserven und Regulierung von allem was zu connected oder to big to fail ist. Ob das Banken, Hedgefonds, Versicherungen, Staatsinstitute oder fliegende Untertassen sind.
Aber irgendwie glaube ich nicht wirklich, dass der "Experimentierkasten" ausgepackt wird und auch nicht, dass "zurück zur Natur" eine politisch realistische Option ist. Der politische Wille solche Risiken einzugehen ist eindeutig begrenzt und letztlich verständlich, denn die Unsicherheit über die Auswirkungen ist hoch. Bankensteuern sind letzlich etwas anderes als die Reduktion oder Eliminiation von regulatorischer Arbitrage.
Daher bleibt die Gefahr, dass der Euro die Funktion des Goldstandards in der großen Depression übernimmt, wie von Eichengreen/Temin argumentiert. Fixierte Wechselkurse führen dazu, dass Abwertungen unmöglich sind und Leistungsbilanzungleichgewichte allein durch reale Anpassungen (Löhne, Produktivität) ausgeglichen werden können. Inländisches Abwerten führt aber zu einer Explosion der Staatsverschuldung. Eine Restrukturierung der Staatsverschuldung der Länder in der Peripherie auf die eine (Bail-Out durch die anderen Länder) oder andere (Haircut) Art und Weise ist dafür notwendig. Sauberer wäre zweifellos ein Haircut. Denn ein missglückter Bail-Out über die anderen Länder hat das Potential auch das politische Projekt EU zu beschädigen. Aber hope ist last to die, wie auch Daniel Gros anmerkt:
Once again they have failed to think through the consequences of their actions from the perspective of the markets. They failed to think through what this weekend’s decision will mean for the options they will face in the future.Die Frage ist ob Griechenland einen Primärüberschuss von 5,5% des BIP für alle Zeiten schaffen kann und ob die Zinsen nicht zu hoch steigen. Dies bedeutet konkreterweise, dass Griechenland einen indirekten Bail-Out bekommt oder schon hat. Aber langfristig kann der Pakt für den Euro kann nur funktionieren, wenn ein Normalszenario für die periphären Länder möglich ist.
Mit Normalszenario meine ich x<60 href="http://ideas.repec.org/a/fip/fedhep/y2006iqiip44-55nv.30no.2.html">Bliss und Kaufman haben einen guten und ausführlichen Vergleich zwischen der normalen Insolvenzregulierung und dem FDIC vorgehen in den USA).
Dies kann nur über ein spezielles Insolvenzverfahren, welches den Wertpapierbereich und den Geschäftsbankenbereich trennt gehen. Luigi Zingales forderte in einem Beitrag zur Zukunft der Finanzmarktregulierung vor einiger Zeit "a new Glass-Steagall Act separating mutual fund management from investment and commercial banking". Neues dazu habe ich länger nicht gelesen. Und wer sollte mögliche Insolvenzen von global aktiven Banken abwicklen? Die schwarzen Helikopter der UN?
Eine derartige Situation könnte auch zu einer Nationalisierung (zum Nulltarif) mehrerer großen Banken führen. Dies würde die Möglichkeit erschaffen ein neues Blümchen-Banking Finanzsystem zu designen. "Zurück zur Natur" sozusagen. Mit höheren Mindestreservensätzen für größere Banken, Trennung von Banken und Investmentgesellschaften und vielem weiteren, was zu Beginn der Krise in den Raum gestellt wurde. Dort aber nicht abgeholt wurde. Oder noch radikaler ein Bankensystem mit 100% Mindestreserven und Regulierung von allem was zu connected oder to big to fail ist. Ob das Banken, Hedgefonds, Versicherungen, Staatsinstitute oder fliegende Untertassen sind.
Aber irgendwie glaube ich nicht wirklich, dass der "Experimentierkasten" ausgepackt wird und auch nicht, dass "zurück zur Natur" eine politisch realistische Option ist. Der politische Wille solche Risiken einzugehen ist eindeutig begrenzt und letztlich verständlich, denn die Unsicherheit über die Auswirkungen ist hoch. Bankensteuern sind letzlich etwas anderes als die Reduktion oder Eliminiation von regulatorischer Arbitrage.
Daher bleibt die Gefahr, dass der Euro die Funktion des Goldstandards in der großen Depression übernimmt, wie von Eichengreen/Temin argumentiert. Fixierte Wechselkurse führen dazu, dass Abwertungen unmöglich sind und Leistungsbilanzungleichgewichte allein durch reale Anpassungen (Löhne, Produktivität) ausgeglichen werden können. Inländisches Abwerten führt aber zu einer Explosion der Staatsverschuldung. Eine Restrukturierung der Staatsverschuldung der Länder in der Peripherie auf die eine (Bail-Out durch die anderen Länder) oder andere (Haircut) Art und Weise ist dafür notwendig. Sauberer wäre zweifellos ein Haircut. Denn ein missglückter Bail-Out über die anderen Länder hat das Potential auch das politische Projekt EU zu beschädigen. Aber hope ist last to die, wie auch Daniel Gros anmerkt:
All our leaders can do now is to hope that the road will take a decisive turn for the better; and that the new ‘Pact for the euro’ helps them avoid future accidents.
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