Samstag, 28. März 2009

Hat es eine Rohstoffblase gegeben?

In der Diskussion zu meinem Eintrag über die Ursachen der gegenwärtigen Krise ist die Frage aufgetaucht, ob es einen Rohstoffbubble gegen hat. Mir ist das nicht so ganz klar obwohl ich das behauptet habe. Ich würde nach etwas überlegen sagen, dass Rohstoffmärkte eher nicht Spekulation ausgesetzt sind, sondern Erwartungshaltungen bepreisen. Allerdings habe ich keinen blassen Schimmer über die Dynamik des Angebots. Dennoch erscheinen mir die Preisverfälle zu groß für "vernünftige" Parameter der Nachfragefunktion zu sein - allerdings bei Kapazitätsgrenzen (?) ... Die Weltbank argumentiert, dass bei landwirtschaftlichen Produkten vor der Biosprit zu dieser Entwicklung geführt hat, während bei Metallen, die Nachfrage aus China etc. sich mit schwachen Investitionen in Minen etc. über die letzten 10 Jahre getroffen habe. Und deswegen ein paar Grafiken:
Zunächst aus der Weltbankpublikation Global Economic Prospects 2009: Commodities at the Crossroads ein Überblick über die Getreidepreise:Kitco Base Metals hat folgende Grafik zu Metallpreisen:



Die Australische Zentralbank hat einen Beitrag aus 2007 - The Recent Rise in Commodity Prices: A Long-run Perspective:
Looking over the past century, food, non-food agricultural and base metals prices have all contributed to the decline in the relative price of commodities. Food and non-food agricultural price movements have been quite volatile around their trend. After rising for several decades following the Great Depression, the decline in the price of these commodities since the 1950s has been steep, reflecting in part technological innovations that boosted crop yields and the development of synthetics that reduced the demand for natural fibres. In contrast, after falling sharply in the first two decades of the century, metals prices fluctuated within a fairly tight range between 1920 and 1980, although these prices declined for two decades thereafter, broadly in line with food and non-food agricultural prices.

Allerdings zeigt sich bis 2007 ein gewisses Überschiessen bei den Metallpreisen, was eindeutig auf ein mangelndes Reagieren des Angebots hindeutet.


Und wie schauen die Rohstoffpreise im Verhältnis zu Aktienpreisen aus? J.D. Steinhilber hat dazu eine interessante Grafik:
Over the past five years, the ratio of the price of the S&P 500 to the price of the Dow Jones-AIG Commodity Index, which holds a diversified basket of commodities, has ranged from a low of 5.4 to a high of 9.1. The current ratio of 6.7, which is approximately in the middle of this range, suggests that neither asset class is at an extreme valuation relative to the other.


Econobrowser hat eine Post in der er erklärt, dass Spekulation in Futures wohl kurzfristig aber nicht langfristig den Spotpreis beeinflussen kann. Seineserachtens kann Spekulation bei Ölpreisen erst im Jahr 2008 eine Rolle spielen aber der Großteil des Preisanstiegs sei auf Fundamentals zurückführbar. Wenn wir die Grafiken für die Preise ansehen, dann können auch Getreidepreise und Metallpreise nicht nur Öl spekulativ mitbeeinflusst worden sein - aber die gesamte Story kann Spekulation nicht erklären.

Kommentare:

  1. Ich bin ja gewiss kein Profi, erlaube mir aber dennoch einen Kommentar, zumindest zu den ersten beiden Absätzen:

    Wenn italienische Hausfrauen auf die Strasse gehen, weil ihre Pasta aufgrund des Biosprits teurer wurden, ist das nicht durch Grafiken zu erklären, das ist Realität.
    Dass China seit jahren Metalle aller Art kauft, ist auch längstens bekannt und wurde auch ausgenutzt.

    Welche Auswirkungen das im einzelnen Fall auf den Börsenmarkt hat(te), hat ja wie meistens nichts mit der Realität zu tun.

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  2. nacken12:59

    @ andy:
    Die Grafiken stellen die Realität dar, weil sie die Preise darstellen zu welchen die Güter am Weltmarkt gehandelt werden. Rohstoffe werden i.d.R. an Börsen gehandelt.

    Wenn die Preise für Getreide wegen des Biosprit steigen, dann steigt zwangsläufig der Pastapreis, weil Pasta aus Hartweizenmehl hergestellt wird.

    Ja China hat mehr und mehr Metalle gekauft, aber nicht um sie zu horten sondern weil die Chinesen dies für ihre Produktion brauchten, die zu einem großen Teil wieder in den Export gegangen ist. Die Nachfrage ist gestiegen. Und wenn das Angebot nicht reagiert, dann steigt der Preis.

    Das ist dann Realität. Ein höhere Nachfrage schlägt sich bei einigermaßen funktionierenden Märkten in höheren Preisen nieder & das hat nichts mit Spekulation zu tun.

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  3. Anonym13:32

    Die besten Infos von zum Thema Öl gibt es auf theoildrum.com.
    World Oil Production Peaked in 2008
    Seit 2005 befindet sich die Ölförderung auf einem Plateau. Die Produktion aus der Nordsee ist seit vielen Jahren stark rückläufig, Mexiko detto, Kuwait ebenfalls, Russland seit Jänner letzten Jahres und das trotz des Preisanstiegs im Zeitraum seit 2005.

    Das Öl geht also wirklich aus.

    Viele der Güter, die teuer wurden, werden gar nicht an den Futures-Börsen gehandelt. Reis z.B. Eisenerz ebenfalls nicht.

    Für eine Rohstoffblase müsste man klassisch irgendwo Rohstoffe horten oder die Förderung in der Hoffnung auf zukünftige Preisanstiege drosseln. Bei verderblichen Gütern ist das ja nur eingeschränkt möglich.

    Dazu kommt, dass die Landwirtschaft vom Öl abhängig ist (Kunstdünger, Pestizide, Diesel).

    Was ich wirklich interessant finde, ist, dass die Medien und die medial prominenten Experten in den vergangenen Jahren die gigantische Immobilienblase übersehen haben, aber gleichzeitig total selbstsicher die Behauptung der Rohstoffblase verbreiteten.

    Von einer Spekulationsblase beim Öl war ja schon 2004/2005 die Rede. Damals wollte doch Grasser sogar Preiskontrollen einführen. Dass die Spekulanten das Öl aufkaufen, war quasi eine Stammtischweisheit. Solche Verschwörungstheorien werden ja auch gerne von ARBÖ und ÖAMTC aufgegriffen. Und die Medien befragten zu diesem Thema gerne Ölspekulanten, die offenbar tatsächlich glauben, sie würden den Preis bestimmen, die weiters auch an die Blase glaubten und stets behaupteten, dass der Preis in ein paar Monaten wieder sinken würde.

    Den Unterschied machen vielleicht banalerweise die Charts. Zum Ölpreis gibt es tagesaktuelle Charts und es gibt zockende Chart-Auguren, die man spontan vor die Kameras holen kann.

    -
    dieter

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  4. nacken22:58

    @ dieter: Ja, glaube ich auch. Beim Öl nähern wir uns so langsam an die Endlichkeit der Ressourcen heran.

    Laut James Hamilton (http://www.econbrowser.com/archives/2008/05/oil_price_funda.html), wenn man den Abbau der existenten Kapazitäten betrachtet so braucht man ca. jährlich
    neue Kapazitäten, die ungefähr den Fördermengen des Iran (2. größter OPEC Produzent) entsprechen um die Ölproduktion über die Zeit stabil zu halten. Dies ist langfristing haltbar. Und hilft nicht viel, wenn China so weiterwächst wie bisher. Denn dann wird der Ölkonsum in China bis 2020 auf die Werte der USA gestiegen sein.

    Bevor das Realität wird, werden wir einen Erdölpreis sehen, bei dem die letztjährigen Preisniveaus milde sind. Und es wird wenig mit Marktmacht oder Spekulation zu tun haben.

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