Mittwoch, 24. Oktober 2012

Der Wert des Euro, Gold und Nikolaus Jilch

In der Presse versucht Nikolaus Jilch über Milchmädchenargumentation Gold eine Bedeutung zukommen zu lassen, die es nicht mehr besitzt. Der Goldstandard ist längst Geschichte, auch wenn der Euro (gemeinsame Währung) für die Euroländer die gleichen Beschränkungen bereitstellt wie der Goldstandard, aber das ist eine andere Geschichte. Mit einer intrinsischen Bindung des Geldwerts an Gold hat das nichts zu tun.

Notenbanken besitzen Gold. Traditionell. Da sie nicht auf Gewinn ausgerichtet sein müssen, gibt es für Nationalbanken keine Veranlassung Gold zu verkaufen. Ein Goldverkauf gegen eigene Währung würde die Geldmenge reduzieren. Aber nicht weil weniger Gold da wäre. Nein, weil der Mechanismus wenn Geld bei der Notenbank anlangt, Geldzerstörung genannt wird. Verkauft die Notenbank Gold gegen fremde Währungen findet ein Assettausch statt. Tauscht sie Gold gegen Wertpapiere passiert dauch ein Assettausch. Gold zu verkaufen ist deutlich mühsamer als Devisen oder Wertpapiere zu verkaufen.

Mit dem Anstieg des Goldpreises (eine Blase?) haben sich die Marktpreise der Goldassets erhöht. No Na Net. Dasselbe würde für andere Assetpreise unter Asset-Inflation gelten (Bonds, fremde Währungen, Betongold etc.). Also nichts neues. Aber Jilch geht einen Schritt weiter und verlässt den Boden der ökonomischen Tatsachen:


Die Gemeinschaftswährung ist durch Gold gedeckt, aber nicht daran gebunden. Beim Dollar ist es umgekehrt. Er ist (theoretisch) noch immer an Gold gebunden, aber nicht gedeckt – weil die rund 8000 Tonnen US-Gold in der Bilanz der Federal Reserve unverändert mit nur 42 Dollar pro Unze vermerkt sind, seit die Eintauschbarkeit des Dollars in Gold 1971 aufgehoben wurde.

(...)
Das ist der Grund, warum ein steigender Goldpreis derzeit ein Problem für den Dollar darstellt, aber nicht für den Euro: Die EZB könnte (theoretisch) Gold mit frisch gedruckten Euros kaufen und den Goldpreis in Euro steigen lassen. Das würde den Wechselkurs des Euro zum Gold schwächen. Die EZB könnte aber auch Gold verkaufen um den Euro zu stärken. Derartige Operationen werden heute hauptsächlich noch mit Devisenreserven umgesetzt.
Welchen Sinn hätte es den Goldpreis in Euro steigen zu lassen? Wenn es eine Goldblase gibt, dann wird sich der Wert von Gold korregieren und die Golddeckung ist dahin. Das ist kurzfristig gedacht und eigentlich verstehe ich das nicht wirklich.

Welchselkurse, das sind relative Preise von Währungen. Diese werden nicht in Gold notiert. Gold wird in Währungen notiert. Das macht einen Unterschied: Gold ist ein Asset. Währungen sind Geld. Alles was notiert wird, wird in Währungen notiert und nicht in Gold.

Bei flexiblen Wechselkursen haben Wechselkursschwankungen die Aufgabe Leistungsbilanzdefizite und -überschusse auszugleichen. Funktioniert nicht so gut, daher kommen andere Erklärungsmuster für relative Wechselkurse zum Ansatz: Kaufkraftparität: Wechselkurse sind vom Preisniveau abhängig, Zinsparität: Geld geht dorthin, wo die höchsten Erträge zu erzielen sind oder eben Leistungsbilanzsalden.

Gold würde ich eher als psychologisches Motiv einordnen, welches den Wechselkurs beeinflussen kann. Und wenn alle dran glauben würden, würde es auch stimmen. Wie Krugman schön erklärt muss die Suche nach der Essenz des Geldes erfolglos sein, wenn der intrinsische Wert des Geldes sich erst aus der sozialen Interaktion ergibt. Alles kann Geld sein. Wenn alles Geld sein kann, dann ist der Wert des Geldes eine emergente Eigenschaft des Marktprozesses. Krugman im original:

the notion that there must be a “fundamental” source for money’s value, although it’s a right-wing trope, bears a strong family resemblance to the Marxist labor theory of value. In each case what people are missing is that value is an emergent property, not an essence: money, and actually everything, has a market value based on the role it plays in our economy — full stop. 

Kommentare:

  1. Anonym19:41

    Ich habe noch nie in meinem Leben so einen Haufen shice auf einmal gelesen!

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  2. Anonym01:38

    "...und eigentlich verstehe ich das nicht wirklich..."
    Du musst mal den Unterschied zwischen Papier Gold und physischem Gold betrachten. Erst dann wir dir Jilch verstaendlich.

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  3. Anonym12:39

    Papiergold in Form von Derivaten? Das sind Wetten auf das physische Asset Gold.
    Gold kann nur physisch Gold sein, sonst wäre es kein Gold sondern bereits das was Geld vorgeworfen wird (unbeschränkt vermehrbar). Und dann hätte es wieder keine "Essenz", genau wie im Post behauptet.

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