Montag, 24. September 2012

Inflationserwartungen oder sind die Märkte deppert?

In einer alten Post habe ich mal über marktbasierte Inflationserwartungen geschrieben:

Marktbasierte Inflationserwartungen können über die Differenz zwischen der Rendite gewöhnlicher Staatspapiere und inflationsindizierter Staatspapiere mit gleiche Laufzeit festgestellt werden. Die Inflationsindizierung erfolgt über den Verbraucherpreisindex.

Weil eine Anleihe inflationsgeschützt ist, die andere nicht, entspricht die Differenz (auch Breakeven genannt) einer impliziten Inflationserwartung der Investoren über dem Zeitraum. Arbitrage und Spekulation sollte zu (in jedem Zeitpunkt) relativ guten Erwartungen führen.
Also wo stehen die Inflationserwartungen für die Eurozone. Als Referenz nehmen wir die deutschen Staatsanleihen, die oft dazu verwendet werden (vgl. 1,2,3,4). Die Inflationserwartungen für in 5 Jahren stehen auf 1.15%, jene für 7 Jahr auf 1.50% und jene für in 10 Jahren auf 1,65%.
Das war im Dezember 2011. Und wo stehen sie heute? Die Inflationserwartungen für in 5 Jahren stehen auf 1.41%, jene für 7 Jahr auf 1.44% und jene für in 10 Jahren auf 1,87%. Wir sehen einen leichten Anstieg, allerdings sind die Inflationserwartungen immer noch gut verankert und deutlich unter 2% oder der gegenwärtigen Inflaitonsrate.

Ich wundre mich ein bisschen warum die Märkte keine große Inflationsgefahren sehen. Dies wird aber immer wieder von jenen argumentiert, die sonst sagen, dass Märkte alles besser können als der Staat. So deppert und kurzfristig können die Märkte aber doch nicht sein.


Doch können sie. Die Aggregation von Information im Märkten muss nicht immer zum ex-post richigen Ergebnis führen.  Die Zinskonvergenz in der Eurozone vor Euroeinführung bis zur Krise zeigt dies. Allerdings ist das kein Argument gegen Inflationserwartungen. Denn wenn Märkte nur ein klein wenig effizient bei der Informaitonsaggregation sind (vgl. Hayek), dann wäre das Anmaßung von Wissen.

Dass ganz Europa (sprich die Schweiz um ihren Wechselkurs niedrig zu halten und andere riskoaverse Anleger) deutsche Staatspapiere kaufen, weil diese eines der wenigen "safe assets" in Europa sind, spricht ebenfalls nicht dagegen. Weil das nur zu einem kleinen Abschlag führen sollte. Denn so deppert darf man sich die Marktteilnehmer nicht vorstellen. Diese scheinen auf die EZB zu vertrauen. Schlussfolgerungen kann jeder selber ziehen.
  

Kommentare:

  1. wie heißt es so schön (und richtig): wenn ökonomen etwas von wirtschaft verstünden, wären sie reich.

    ich folge daher einem, den die wirtschaft reich gemacht hat und bei dem daher zumindest die möglichkeit besteht, dass er etwas von ihr versteht: der neue DB-chef anshu jain, der vor kurzem meinte, dass Inflation "ein Preis [ist], den wir für Europa zahlen werden müssen".

    Quelle: http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wegen-euro-rettung-deutsche-bank-chef-erwartet-inflation-11891436.html

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  2. dasselbe gilt für soziologen (und menschengruppen), psychologien (und menschen) und physikern (und natur) ;)

    aber den preis zahlen wir wohl erst dann, wenn die ezb das inflationsziel heraufsetzt und es erhebliche inflationsdifferentiale in europa gibt. ich sehe das noch nicht. sprüche wie die von anshu jain können das nur vorbereiten ...

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