Freitag, 23. Januar 2009

Über Robert Barro und moderne Ökonometrie

Rober Barro hat im Wall Street Journal sich gegen einen "exzessiven" staatlichen Stimulus ausgesprochen. Kern des Artikels ist eine Analyse der Multiplikatorwirkung. Barro behauptet, daß der Multiplikator nicht wie von manchen Optimisten behauptet in der Nähe von 1,5 liegen würde sondern weit unter 0,8. Das heisst letztlich, dass ein Stimuluspaket zu einer teilweisen Reduktion von privates Investment, Konsum oder Nettoexporte führen wird.

Paul Krugman kritisierte Barro dafür, dass er die WW II Episode mit regulierten Märkten und Kriegsproduktion miteinbezogen hat. Noch interessanter ist die Anmerkung von Robert Waldmann auf Angry Bear
(...) I think the reason that (...) immediately make the same argument as Krugman is that Yglesias and Drum don't know about modern econometrics. Barro is using an instrumental variables regression in which wartime military spending is considered to be an exogenous variable which is correlated with government consumption. The implicit assumption is that we can safely assume that the fiscal multiplier today is identical to the fiscal multiplier during World War II, because the economy is basically similar. Without training in modern econometrics it is simply impossible to assume something that stupid.


Robert Waldmann führt dann weiter aus, dass es da ein Modell gibt, welches mit rigiden nominalen Löhnen und Preisen erklärt, dass eine Wirtschaft sich in drei Zuständen befinden kann, in einem keynesianischen mit ungenügender aggregierter Nachfrage, einem klassischen, wo die Reallöhne zu hoch sind und in einem Zustand unterdrückter inflation mit einem Überangebot von Arbeit und Gütern. Blöd für Barro, dass dieses Modell von ihm selber stammt. Robert Waldmann:

(...) who's ever heard of the Barro-Grossman model (A General Disequilibrium Model of Income and Employment Barro, Robert J.; Grossman, Herschel I.; American Economic Review, March 1971, v. 61, iss. 1, pp. 82-93 [stable JSTOR link added for those with access])? Certainly not Robert Barro.

(...)

Look I sympathise. Like Barro, when I was young and reckless I did embarrassing things which I have tried to cancel from my memory. I really wish I could do that as well as he has.

1 Kommentar:

  1. Instrumentalvariablenschätzer sind einigermaßen unrobust in der Regel. Eine einfache OLS ist besser interpretierbar. Allerdings ist das nicht das Problem. Barro hätte die Zeit ja rausnehmen können. Das Problem ist, ob vergangene Schätzungen die Multiplikatorwirkung heute wirklich widergeben. In den letzten Jahrzehnten hat es eine Liquiditätsfalle nur in Japan gegeben. Japan ist aber institutionell und strukturell von den USA unterschiedlich, sodaß eigentlich nur der "gesunde" Ökonomenverstand bleibt. Was immer das sein mag ;-).

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